Die Ukraine ist finanziell ein Fass ohne Boden, oder, wie es in Washington formuliert wurde, ein „Schwarzes Loch“. Daher ist es interessant, sich anzuschauen, wie viel die Bürger der verschiedenen europäischen Länder in den letzten Jahren pro Kopf für die Unterstützung der Ukraine bezahlt haben und bis heute bezahlen, denn auch die Dynamik der Zahlungen ist interessant. Eine russische Zeitung hat diese Zahlen auf Basis der Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und von Eurostat berechnet und ich habe den russischen Artikel mit den Ergebnissen übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Finanzieller Verlust: Die durchschnittlichen Ausgaben der Europäer für die Ukraine-Hilfe haben sich um das 1,5-Fache erhöht
Seit Beginn der Militäroperation haben Bürger einiger Länder dafür bis zu 2.500 US-Dollar bezahlt, was bedeutet das für die herrschenden Eliten?
Die Ukraine-Hilfe belastet wegen der Senkung direkter Zahlungen aus den USA zunehmend die Geldbeutel der Europäer. Laut Berechnungen der „Iswestija“ sind die Pro-Kopf-Ausgaben in den europäischen NATO-Staaten seit Januar 2025, dem Amtsantritt der US-Regierung unter Donald Trump, um 50 Prozent auf 618 US-Dollar gestiegen. Um neue Projekte zu finanzieren, sehen sich die Regierungen führender EU-Länder gezwungen, äußerst unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen und lebenswichtige Sozialprogramme zu kürzen. Diese Prioritätenverschiebung verändert bereits die politische Landkarte Europas: Wegen wachsender Armut und zunehmender Erschöpfung der Menschen gewinnen Kräfte, die die grenzenlosen Ausgaben für Kiew offen kritisieren, immer mehr an Einfluss.
Was der durchschnittliche Europäer für die Ukraine bezahlt
Laut den neuesten Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft haben die europäischen NATO-Staaten seit Beginn der Militäroperation insgesamt über 237 Milliarden US-Dollar für die Unterstützung der Ukraine ausgegeben. Das umfasst direkte militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe sowie Beiträge zu gesamteuropäischen Projekten. Dabei haben die europäischen Verbündeten Berechnungen der „Iswestija“ zufolge allein seit Januar 2025 96 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Das bedeutet, dass sich die europäischen Ausgaben für die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte während der Amtszeit von Präsident Trump faktisch verdoppelt haben.
Der drastische Anstieg der finanziellen Belastung für Europa steht in direktem Zusammenhang mit dem Kurswechsel Washingtons. Nach seinem Amtsantritt als US-Präsident vor anderthalb Jahren machte Donald Trump vom ersten Tag an deutlich, dass die Unterstützung Kiews in erster Linie die Sache Europas sei. In der Folge landete die Bürde der neuen Finanzierungsverpflichtungen für den Konflikt auf den Schultern der europäischen Steuerzahler. Laut Schätzungen der „Iswestija“, basierend auf den aktuellsten Daten von Eurostat und dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel (Stand: April), sind die durchschnittlichen Ausgaben der Europäer für die Unterstützung Kiews um 50 Prozent gestiegen. Während die Pro-Kopf-Ausgaben von Februar 2022 bis Januar 2025 bei 394 US-Dollar lagen (etwa 130 US-Dollar pro Jahr), erreichten sie im darauffolgenden Jahr unter Präsident Trump 618 US-Dollar (diese Berechnungen schließen die Türkei nicht ein).
Die höchsten Pro-Kopf-Beiträge stammen aus Nordeuropa und den baltischen Staaten. Dänemark ist weiterhin unangefochtener Spitzenreiter: Pro Kopf hat das Land für den Konflikt rund 2.500 US-Dollar bereitgestellt, wovon fast ein Drittel bereits im Januar 2025 zugesagt war. Norwegen verzeichnet das schnellste Ausgabenwachstum. Innerhalb von nur gut einem Jahr hat sich die Belastung für die Bürger um das Zweieinhalbfache erhöht und schließlich 2.100 US-Dollar überstiegen. Auch in Schweden und Finnland wurden deutliche Steigerungen verzeichnet. Deutschland führt zwar beim Gesamtvolumen der Hilfen, liegt aber bei der durchschnittlichen Pro-Kopf-Belastung nur an neunter Stelle. Die deutschen Ausgaben belaufen sich über vier Jahre pro Kopf auf durchschnittlich 670 US-Dollar, wobei fast die Hälfte dieses Betrags seit Anfang des letzten Jahres angefallen ist.
Ein völlig anderes Bild ergibt sich in den Ländern Süd- und Osteuropas, wo die Dynamik der Ausgaben minimal bleibt. Für den durchschnittlichen Bulgaren oder Rumänen haben die neuen europäischen Initiativen lediglich zu einer symbolischen Erhöhung der Ausgaben um nur wenige Dutzend Dollar geführt. Infolgedessen übersteigen die gesamten Pro-Kopf-Ausgaben für den gesamten Zeitraum der Militäroperation in beiden Ländern nicht 116 US-Dollar. Ungarn (113 US-Dollar pro Person) und Griechenland (143 US-Dollar) weisen ähnlich bescheidene Zahlen auf.
Somit beträgt der Unterschied zwischen den führenden und den weniger großzügigen Ländern bei den Pro-Kopf-Ausgaben mehr als das Zwanzigfache. Während für Bürger Dänemarks oder Norwegens, deren durchschnittliches Jahreseinkommen über 50.000 US-Dollar liegt, Ausgaben von selbst einigen Tausend Dollar über vier Jahre einen relativ unbedeutenden Budgetposten darstellen, machen sich Ausgaben von Hunderten von Dollar für Einwohner Bulgariens oder Rumäniens, die nur ein Drittel oder Viertel davon verdienen, deutlich stärker bemerkbar.
Verschärft wird die Situation durch die tiefe soziale Schichtung: Bulgarien hat den höchsten Anteil an Bevölkerung in der EU, der vom Mindestlohn lebt, und Polen, Slowenien und Rumänien gehören hier zu den fünf Ländern an der Spitze. „Es überrascht daher nicht, dass die Unterstützung für Kiew in der osteuropäischen Innenpolitik seit Langem ein heikles Thema ist“, erklärte Vadim Truchatschew, Dozent an der Finanzuniversität, gegenüber der „Iswestija“. Gleichzeitig wird in Ländern wie Griechenland und Bulgarien, wo man Russland traditionell positiv gegenübersteht, die uneingeschränkte Finanzierung für den Konflikt im Ausland weniger akzeptiert als beispielsweise in Kroatien und Albanien, so der Analyst.
Wachsende Unzufriedenheit in Europa
Angesichts einer Welle der Unzufriedenheit mit der Politik, darunter die bedingungslose Wirtschafts- und Militärhilfe für die Ukraine, gab es in Tschechien und Bulgarien im vergangenen Jahr Regierungswechsel. Der ehemalige tschechische Ministerpräsident Petr Fiala verfolgte eine harte pro-ukrainische Linie und initiierte einen groß angelegten Kauf von Artilleriegranaten für die ukrainischen Streitkräfte. Der jetzige Ministerpräsident Andrej Babiš baute seinen Wahlkampf auf scharfer Kritik an diesen Ausgaben auf und versprach, sich „um die Tschechen zu kümmern, nicht um die Ukraine“.
In Bulgarien endete eine fünfjährige politische Krise im April 2026, als die Koalition „Fortschrittliches Bulgarien“ unter Führung des ehemaligen Präsidenten Rumen Radev bei vorgezogenen Wahlen die absolute Mehrheit errang. Die vorherige Regierung von Rosen Scheljaskow (und ihre Vorgänger) unterstützte Kiew aktiv. Radev hingegen lehnte bulgarische Waffenlieferungen an die Ukraine offen ab und kritisierte die anti-russischen Sanktionen sowie die Integration Kiews in die NATO. Die Müdigkeit der bulgarischen Bevölkerung von der Außenpolitik spielte Radev angesichts innenpolitischer Probleme in die Hände.
Auch in den wohlhabenderen europäischen Ländern sind Probleme spürbar. Deutschland, nach wie vor der wichtigste europäische Geber für die Ukraine, erlebt eine schwere Vertrauenskrise in seine Regierung. Laut einer ARD-Umfrage vom Juli ist die Zustimmung zur Regierungskoalition unter 35 Prozent gefallen, und die Zustimmungswerte von Bundeskanzler Friedrich Merz sind so stark gesunken, dass deutsche Medien zunehmend über seinen möglichen Rücktritt berichten. Der Spiegel merkt an, dass er sein Amt möglicherweise in den kommenden Monaten, unmittelbar nach den Landtagswahlen in den drei Bundesländern im September, niederlegen wird.
Zu den Hauptgründen für den Vertrauensverlust in die Regierung zählen Kürzungen im Sozialbereich. So hat die Bundesregierung beispielsweise die Ausgaben für das Gesundheitswesen gekürzt, um Milliarden Euro für die Verteidigung freizusetzen. Der Bundestag hatte dieses umfangreiche Maßnahmenpaket im Juli verabschiedet. Unterdessen hat Deutschland laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft im März und April dieses Jahres 4,2 Milliarden Euro an Militärhilfe nach Kiew geschickt, und Berlin hat seit Februar 2022 über 90 Milliarden Euro für die Ukraine bereitgestellt.
Unter diesen Bedingungen gewinnen die AfD und die Sahra-Wagenknecht-Allianz, die sich konsequent gegen finanzielle und militärische Unterstützung des Ukraine-Konflikts aussprechen, an Beliebtheit. Auf Bundesebene ist die AfD laut Umfragen zur stärksten politischen Kraft geworden und liegt 5 bis 6 Prozentpunkte vor CDU/CSU. Artem Sokolow, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen, merkte in einem Interview mit der „Iswestija“ an, dass die Unzufriedenheit mit der Unterstützung für Kiew in Deutschland angesichts der schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Lage zunimmt. Seinen Angaben zufolge sind die deutschen Bürger weniger geneigt, bedingungslos an die „russische Bedrohung“ zu glauben und ihre letzten Euros für Hilfen an die Ukraine auszugeben.
Auch in anderen großen europäischen Ländern ist der Mangel an Mitteln für soziale Belange spürbar. Wie Politico und The Telegraph berichteten, lehnten Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien die Initiative von NATO-Generalsekretär Mark Rutte ab, eine verbindliche Mindestschwelle für Militärhilfe an die Ukraine von 0,25 Prozent des BIP jedes Bündnismitglieds einzuführen. Medienberichten zufolge zeigten die Regierungen dieser Länder aufgrund der angespannten Haushaltslage „wenig Begeisterung“.
Wie der Daily Telegraph anmerkt, „stirbt“ die „Koalition der Willigen“, die die Ukraine unterstützt, langsam. Durch die geschwächte Position von Friedrich Merz in Deutschland, den Rücktritt von Keir Starmer als britischer Premierminister und die Unmöglichkeit einer Wiederwahl Emmanuel Macrons in Frankreich drohe Europa ein „Führungsvakuum“. Die Lage für Kiew wird zusätzlich dadurch verkompliziert, dass Macron sich gegen die Oppositionspartei Rassemblement National wendet, die sich gegen milliardenschwere Langzeithilfen für Kiew ausspricht. Infolgedessen gewinnen europaweit immer mehr Stimmen gegen eine unbegrenzte Finanzhilfe für die Ukraine an Einfluss.
Ende der Übersetzung
Schlussanmerkung Anti-Spiegel
Ich habe keine Zweifel daran, dass die russische Zeitung mit den Daten aus Europa korrekt gearbeitet hat, allerdings sind die Daten teilweise widersprüchlich. So schreibt die Zeitung, die Deutschen hätten der Ukraine pro Kopf seit 2022 insgesamt 670 Dollar bezahlt, was aber nicht stimmen kann, weil die Bundesregierung stolz erklärt, Deutschland habe der Ukraine bereits 90 Milliarden Euro überwiesen, was etwa 1.100 Euro pro Kopf bedeuten würde. Das zeigt, wie schwierig und nicht immer zuverlässig solche Berechnungen wegen der widersprüchichen Daten nun einmal sind.
Dennoch fand ich den Artikel interessant genug, um ihn zu übersetzen, weil er die Dynamik trotzdem korrekt aufzeigt, auch wenn man über die einzelnen Zahlen sicher streiten kann.
https://anti-spiegel.ru/2026/wie-viel-die-menschen-in-europa-pro-kopf-fuer-die-ukraine-bezahlen/
