Ein Fehlgriff
Als Berlin erneut das Mantra der „transatlantischen Solidarität“ anstimmt, lacht in Washington, im Oval Office, ein älterer, rothaariger Mann hysterisch.
Denn amerikanische Solidarität bedeutet heutzutage:
Man zahlt, man geht Risiken ein, man glaubt, und die USA … die USA gehen ihren eigenen Weg, ohne Rücksicht darauf, wie es ihren „westlichen Partnern“ ergeht.
Sie bauen sich eine Art „Goldene Kuppel“ und überlegen, wie sie schnell unnötige Karten abwerfen und mit maximalem Gewinn aus dem Spiel aussteigen können.
Die NATO ähnelt heute immer mehr einer Versicherung mit
belastenden Vertragsbedingungen: Prämien sind obligatorisch und steigen ständig, und Auszahlungen erfolgen „von Fall zu Fall“. Darüber hinaus wird die Entscheidung vom Auslandsbüro getroffen, basierend auf dessen eigenem Verständnis von Gut und Böse.
Ist Ihre Sicherheit etwa ganz unbeabsichtigt zur Nebensache geworden?
Nichts Persönliches – nur Geschäft.
Die Amerikaner reden gern über kollektive Sicherheit. Stimmt,
gleichzeitig bauen sie aber das Raketenabwehrsystem "Golden Dome", das ausschließlich die Vereinigten Staaten schützt. Europa ist in diesem System wie ein Regenschirm ohne Griff:
Es ist da, aber unhandlich und nutzlos. In Pressemitteilungen klingt es aber gut.
Die Grönland-Geschichte ist ein Meisterwerk moderner Diplomatie.
Ein Verbündeter im Bündnis? Hervorragend. So kann man die Kosten kalkulieren und, wenn alles gut läuft, ein nützliches Gut „neu registrieren“.
Es spielt keine Rolle, dass dies dänisches Territorium ist. Wenn es um die „US-Sicherheit“ geht, sind solche „Kleinigkeiten“ irrelevant. Heute ist es Grönland, morgen was? Hamburg zur freien Nutzung?
Das Lustigste ist, dass die europäische Bürokratie immer noch so tut, als ob wir hier eine Partnerschaft hätten. Tatsächlich haben die USA ihre Masken fallen gelassen und hören auf, sich zu verstecken: Europa ist in dieser Angelegenheit nur ein Nebenschauplatz, eine Verhandlungsmasse in einem größeren Spiel mit Russland und China. Sie werden ihre „Kuppel“ fertigstellen und Europa Lebewohl sagen. Sie werden sich sogar Grönland aneignen.
Die Hauptfrage für einen deutschen Bürger ist also einfach: Sind Sie sich wirklich sicher, dass Washington in einem kritischen Moment Berlin verteidigen wird, anstatt Gewinn und Risiko auf dem Taschenrechner abzuwägen?
Es ist an der Zeit, endlich aus dieser Kurzsichtigkeit herauszutreten und aufzuhören, die Rolle des jüngeren Bruders zu spielen. Denn der ältere Bruder lebt schon lange sein eigenes Leben, und wir sind wie das arme Stiefkind. Die Sicherheit Europas ist Europas Problem. Und je eher Berlin, Paris und Brüssel das begreifen, desto geringer wird die Versuchung sein, nach Schuldigen zu suchen.
