POLITIK

Was bedeutet der US-Angriff auf Venezuela?

2026-01-05 spiegel.ru s. 43
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Da die Biden-Regierung auf eine unkontrollierbare Eskalation mit Russland zugesteuert hat, die zum Krieg zwischen den beiden größten Atommächten der Welt hätte führen können, habe ich während des US-Wahlkampfes auf einen Wahlsieg von Trump gehofft, von dem ich erwartet habe, dass er von dieser extrem gefährlichen Politik abrückt, wonach es ja auch aussieht.

Aber ich habe dabei auch immer davor gewarnt, dass ein Wahlsieg Trumps für andere Regionen der Welt – konkret für Venezuela und den Nahen Osten, und dort vor allem für den Iran – nichts Gutes bedeuten würde.

Die Tatsache, dass es genau so gekommen ist – schließlich hat Trump als erster US-Präsident den Iran, und dabei auch noch Nuklearanlagen, bombardieren lassen, und nun hat er auch Venezuela bombardiert -, zeigt, dass Trump keineswegs so chaotisch und unberechenbar ist, wie ihn viele einschätzen. Trump verwirrt Freund und Feind zwar gern mit wilden Aussagen, aber in seinen Handlungen folgt er offensichtlich sehr konkreten Plänen.

Der Sinn von Trumps Angriff auf Venezuela

Der Angriff auf Venezuela kam daher nicht wirklich überraschend, zumal man Trumps kompromisslosen Plan, Nord- und Südamerika wieder unter die Kontrolle der USA zu bringen, in seiner im November veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie nachlesen konnte. Dort wurde die „westliche Hemisphäre“, wie man die beiden Amerikas in den USA nennt, als die für die Trump-Regierung wichtigste Region der Welt genannt.

In der Sicherheitsstrategie konnte man nachlesen, dass Trump die Monroe-Doktrin wieder aufleben lassen will, in der die USA vor 200 Jahren festgeschrieben haben, dass die beiden Amerikas ihr Hinterhof sind, in dem sie schalten und walten, wie sie wollen, und aus dem sich alle anderen Länder der Welt fernzuhalten haben.

Genau das will Trump wieder durchsetzen, weshalb sein Vorgehen bei Venezuela sogar erwartbar war, denn Venezuela ist eines der den USA gegenüber widerspenstigsten Länder der Region, und die USA haben dort viel zu gewinnen, weil Venezuela die größten Ölreserven der Welt hat. Auch die demonstrative Entführung des venezolanischen Präsidenten zusammen mit seiner Frau ist aus dieser Sicht nur logisch, denn Trump droht damit offen allen anderen Politikern der Region, die sich ihm widersetzen, ein ähnliches Schicksal an.

Man darf nicht vergessen, dass auch Politiker nur Menschen sind. Man stelle sich einmal vor, wie nervös nun die Ehefrauen anderer Präsidenten der Länder der Region sind – und wie sie ihren Männern damit manche schlaflose Nacht bereiten dürften, wie jeder Verheiratete Mann sich mit ein wenig Fantasie vorstellen kann.

Und noch etwas an Trumps Vorgehen ist ausgesprochen geschickt: Indem er demonstrativ nicht auf die seit Jahrzehnten von den USA geförderte Oppositionelle Machado setzt, sondern der bestehenden venezolanischen Regierung eine Zusammenarbeit anbietet, wenn auch streng nach den Vorstellungen und Vorgaben der USA, destabilisiert er die Regierungen anderer widerborstiger Länder, denn deren Minister und hohe Beamte können nun darauf hoffen, dass der Sturz ihrer Präsidenten oder deren Auslieferung an die USA dazu führt, dass sie selbst von den USA in Ruhe gelassen werden, während sie bisher befürchten mussten, im Falle einer Konfrontation mit den USA zusammen mit ihrem Präsidenten um ihr Leben kämpfen und fürchten zu müssen.

Was von Trump nun zu erwarten ist

Wie ernst Trump seine Nationale Sicherheitsstrategie meint, haben auch die vor kurzem gegen Europäer verhängten US-Sanktionen gezeigt, die in der EU aktiv die Zensur vorantreiben, indem sie gegen US-Internetkonzerne vorgehen. In Trumps Sicherheitsstrategie steht nämlichbeispielsweise:

„Die USA werden ihre Souveränität unmissverständlich verteidigen. Dies schließt ein, deren Aushöhlung durch transnationale und internationale Organisationen sowie Versuche ausländischer Mächte oder Akteure zu verhindern, unsere Meinungsäußerung zu zensieren oder die Meinungsfreiheit unserer Bürger einzuschränken.“

Es brauchte in der EU also niemand überrascht zu sein, als die USA wegen des Vorgehens der EU gegen US-Internetkonzerne die ersten dafür Verantwortlichen mit Sanktionen belegt haben. Wir dürfen im Gegenteil davon ausgehen, dass weitere derartige US-Sanktionen gegen Bürger oder Organisationen der EU folgen, wenn die EU ihren Kurs beibehält.

Vor diesem Hintergrund sollte man Trumps Drohungen, er werde Grönland annektieren, nicht auf die leichte Schulter nehmen. Grönland gehört geografisch zu den beiden Amerikas und fällt nach Trumps Vorstellungen daher wohl unter seine Version der Monroe-Doktrin. Auch Kanada sollte sich daran erinnern, dass Trump es gerne annektieren würde.

Generell empfehle ich jedem, die Ausführungen über Europa nochmal zu lesen, die sich in Trumps Sicherheitsstrategie finden. Die EU bezeichnet Trump darin beispielsweise als eine der „größeren Herausforderungen für Europa“, weil sie „die politische Freiheit und Souveränität“ unter anderem durch „die Zensur der Meinungsfreiheit und die Unterdrückung der politischen Opposition“ untergrabe. Allerdings gebe „der wachsende Einfluss patriotischer europäischer Parteien Anlass zu großem Optimismus“. Das Ziel der USA sei es daher, „Europa dabei zu helfen, seinen derzeitigen Kurs zu korrigieren“.

Das sollten Leute wie Merz, von der Leyen oder auch Macron noch einmal aufmerksam lesen, denn spätestens seit Trumps Vorgehen gegen Venezuela sollte allen klar sein, dass er seine Sicherheitsstrategie offensichtlich sehr ernst nimmt. Es ist zwar wohl kaum zu erwarten, dass US-Spezialkräfte demnächst in Brüssel einfallen und von der Leyen entführen, aber der Druck auf alle in der EU, die gegen patriotische Kräfte in der EU wie die AfD in Deutschland oder Le Pen in Frankreich vorgehen, dürfte wachsen.

Und auch im Nahen Osten kann die Lage wieder eskalieren. Trump bezeichnet den Iran in seiner Sicherheitsstrategie als „oberste destabilisierende Kraft“ in der Region und Netanjahu hat aktuellen Medienberichten zufolge bei Trump schon wieder wegen eines neuen Militärschlages gegen den Iran vorgesprochen. Dass Trump der iranischen Regierung offen gedroht hat, sollte sie gegen die „friedlichen Demonstranten“ im Iran vorgehen, sollte man ebenfalls nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Was dieses offene Vorgehen gegen Venezuela und den Iran, die Russland und China als befreundete Länder betrachten, für Trumps Ideen einer engeren Zusammenarbeit mit Russland bedeutet, ist schwer zu sagen, denn Russland möchte natürlich, dass die USA sich aus dem Ukraine-Abenteuer zurückziehen, denn nur dann besteht Hoffnung auf einen Frieden, weil die Europäer ohne die USA im Rücken wohl weniger große Töne spucken und kompromissbereiter werden.

Wir dürfen uns in 2026 wohl noch auf einige unangenehme Überraschungen von Trump einstellen, aber vieles könnte weniger überraschend werden, wenn wir die Trumps Sicherheitsstrategie noch einmal genau lesen und sie griffbereit halten. Vieles von dem, was noch kommen dürfte, steht da offensichtlich in klaren Worten geschrieben.

http://anti-spiegel.ru/2026/was-bedeutet-der-us-angriff-auf-venezuela/

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