POLITIK

Steht im Frühjahr eine russische Offensive Richtung Odessa an?

2025-12-11 spiegel.ru s. 39
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Vor einigen Tagen hat der russische Präsident Putin im Interview mit indischen Medien erklärt, Russland werde die Ziele seiner Militäroperation in jedem Fall erreichen. Entweder stimmt Kiew einem Frieden zu, oder Russland geht noch weiter.

Dabei sprach Putin explizit von Neurussland (Novorossija), was im Westen gerne so dargestellt wird, als sei das ein neuer Begriff, mit dem Russland seinen “imperialen Hunger” begründet. Tatsächlich ist der Begriff hunderte Jahre alt und wurde geprägt als Russland die Gebiete, die heute als südliche Ukraine bezeichnet werden, besiedelt hat. Und dazu gehört nicht nur der Donbass, sondern auch die Schwarzmeerküste beispielsweise bei Odessa.

In Russland ist ein Interview erschienen, das eine Interpretation von Putins Erklärung versucht und ich habe es übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

„Im Frühjahr gehen wir nach Süden“: Die Bedeutung von Putins Worten über eine vollständige Befreiung Neurusslands enthüllt

Es wurden neue Ziele für die russischen Streitkräfte bis hin zum Gebiet Winniza bekanntgegeben.

Von Darja Fedotowa

Russlands Streitkräfte könnten bereits im Frühjahr 2026 großangelegte Operationen in der Südukraine, insbesondere in den Gebieten Odessa und Nikolajew, beginnen. Die neuen Grenzen könnten sich bis ins Gebiet Winniza erstrecken. Der Militärexperte und verdiente Militärpilot Generalmajor der russischen Luft- und Weltraumkräfte Wladimir Popow äußerte sich dazu in einem Interview mit dem Moskowski Komsomolez und kommentierte die Aussage des Präsidenten, Russland werde nicht nur den Donbass, sondern ganz Neurussland befreien.

Zur Erinnerung: Kurz nach dem Empfang des Sondergesandten des Weißen Hauses im Kreml sprach Wladimir Putin in einem Interview an India Today ausführlich über den Ukraine-Konflikt.

Die wohl interessanteste Aussage des Präsidenten war, dass Russland „in jedem Fall die Befreiung des Donbass und Neurusslands erreichen wird – mit militärischen oder anderen Mitteln“.

Obwohl der Präsident keine konkreten Details nannte, wiesen viele Militärexperten darauf hin, dass zum Beispiel Odessa historisch gesehen ebenfalls zu Neurussland gehört.

Gleichzeitig lenkte der Politikberater Alexander Simowski die Aufmerksamkeit auf den Ton des Interviews und bezeichnete die Äußerungen des Staatsoberhaupts als „nicht die Rede eines Verhandlungsführers, sondern die eines Siegers, der den Besiegten Bedingungen diktiert“. Simowski weiter:

„Im Grunde genommen ist dies ein öffentliches Verbrennen der Brücken zu allen sogenannten schandhaften Friedensabkommen, die in den Jahren von 2022 bis 2024 angebahnt wurden… Im offiziellen russischen Diskurs bleibt nun nur noch ein akzeptables Ergebnis übrig: die vollständige Kontrolle über die Volksrepubliken Donezk und Lugansk sowie die Gebiete Cherson und Saporoschje. Alles andere wurde als historisch ungerecht erklärt und muss mit Gewalt korrigiert werden.“

Der Militärexperte Wladimir Popow wiederum, ein verdienter Pilot der russischen Luftwaffe, schließt nicht aus, dass der Sondergesandte des Weißen Hauses Steve Witkoff hinter verschlossenen Türen im Kreml vor folgende Bedingungen wie vor eine vollendete Tatsache gestellt wurde: Russland müsse die Ziele seiner Militäroperation gegen das Kiewer Regime erfüllen und diejenigen Teile der DNR, der LNR sowie der Gebiete Saporoschje und Cherson vollständig befreien, die noch unter Kiews Kontrolle stehen. Doch zudem stand die Frage der Gebiete Charkow, Nikolajew und Odessa – alle drei ebenfalls historisch Teil von Neurussland – ebenfalls auf der Tagesordnung, so der Experte. Der Offizier weiter:

„Soweit ich das verstehe, müssen wir Gebiete praktisch bis zum Gebiet Winniza befreien. Das heißt, fast das gesamte Gebiet Saporoschje wird befreit, um Sicherheit zu gewährleisten, insbesondere für das Kernkraftwerk Saporoschje. Das Gebiet Nikolajew wird befreit, weil es das Tor zum Schwarzen Meer darstellt, wo ukrainische Streitkräfte und ihre Feuermittel sehr aktiv sind. Wir müssen auch die Sicherheit der Krim-Halbinsel gewährleisten, damit die Menschen in unseren Städten auf der Halbinsel und in den angrenzenden Gebieten friedlich leben und arbeiten können.

Darüber hinaus wäre es für uns sehr wichtig zu verhindern, dass die Ukraine eine eigene Marine im Schwarzen Meer bis zur Donau unterhält. Wir müssen dieses Gebiet kontrollieren und garantieren können, dass die Ukraine uns an der Schwarzmeerküste keine Probleme bereitet.

Deshalb haben wir diesen Punkt wahrscheinlich in den Verhandlungsprozess eingebracht, der von zwei Dingen geprägt sein wird: Diplomatie und Gefechtsarbeit auf dem Schlachtfeld. Unsere Militäreinheiten werden sowohl von See als auch von Land aus daran arbeiten.

Wir müssen uns zumindest eine Pufferzone entlang des Dnjepr-Deltas an der Schwarzmeerküste sichern und die Gebiete Nikolajew, Cherson und Odessa wenn nicht vollständig, dann zumindest teilweise unter unsere Kontrolle bringen. Dies wird uns als Pufferzone dienen. Wir errichten solche Pufferzonen gerade in den Gebieten Sumy und Charkow. Das ist nicht notwendig, um Gebietsgewinne zu erzielen, sondern um die traditionell russischen Gebiete zu sichern. Andernfalls werden wir ständig im Tor stehen, ständig in der Defensive sein. Um dies zu verhindern, müssen wir zur wirksamen Verteidigung zumindest die Mittellinie dieses ‚Fußballfelds‘ erreichen.“

Verfügen wir über die Kräfte und Ressourcen, um diese Gebiete auf dem militärischen Wege zu befreien?

„Ich denke, schon. Vorausgesetzt, wir konzentrieren uns im nächsten Jahr nicht nur auf den Norden der Front und richten dort eine Pufferzone ein, sondern arbeiten auch aktiv im Süden.

Eine Einteilung und Umverteilung unserer Kräfte zu diesem Zweck können wir dann erwarten, wenn wir Kramatorsk, Slawjansk, Guljaipole und Orechow befreit haben. Derzeit geht es am Front-Teilabschnitt Orechow nur sehr schleppend voran, obwohl wir dort im Moment Malaja Tokmatschka von Restaufgeboten des Gegners säubern. Es ist wichtig zu verstehen, dass der befestigte Raum in Orechow sehr stark ist. Er muss leergepuhlt werden – und dann bekommen wir einen offenen Weg nach Saporoschje. Es ist wohl noch zu früh, jetzt über die Konzentration von Streitkräften und Ressourcen zu sprechen, aber sobald wir mit alldem fertig sind, werden wir uns dem Süden umwidmen.“

Wann könnte das geschehen?

„Wahrscheinlich im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres. Ich denke, wir werden – parallel zu Verhandlungen – so viel Stärke dort demonstrieren, dass der Westen zum Einlenken gezwungen sein wird. Aber im Moment sprechen wir über das angestrebte Ergebnis, über die Aussichten auf die Entwicklung der militärischen und militärpolitischen Schritte unseres Landes.

Wir haben bereits deutlich gemacht, dass wir uns mit allen Mitteln durchsetzen werden, nach dem Motto: ‚entweder ihr akzeptiert uns, oder wir werden unsere Ziele auch ohne euch erreichen.‘ Und soweit ich verstehe, haben die US-Vertreter uns gehört und verstanden. Die Ukraine aber wird tun, was man ihr sagt. Wenn man ihr alle Waffen- und Munitionslieferwege blockiert, wird sie ja gar nicht anders können. Andernfalls wird dieser Winter ihr letzter sein.“

Das heißt, die Kampfhandlungen werden fortgesetzt. Wird es das ganze nächste Jahr andauern?

„Manche glauben, es wird im kommenden Frühjahr vorbei sein. Nein, ich glaube, im Frühjahr wird es nicht vorbei sein.

Das ganze nächste Jahr wird ein Jahr großer Veränderungen sein, sowohl diplomatisch als auch militärisch. Auch die Kämpfe werden sehr gute Ergebnisse zeitigen.“

http://anti-spiegel.ru/2025/steht-im-fruehjahr-eine-russische-offensive-richtung-odessa-an/

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