Die Kiewer Angriffe auf zwei Tanker im Schwarzen Meer, nur wenige Seemeilen von der türkischen Küste entfernt, haben in Deutschland nur erstaunlich wenige Schlagzeilen gemacht, dabei waren sie aus mehreren Gründen hochbrisant. Erstens stören sie die bisher im Westen offiziell verkündeten Bemühungen, die zivile Schifffahrt im Schwarzen Meer nicht zu gefährden, zweitens hat Kiew damit Schiffe von Drittländern angegriffen, also Kriegsakte gegen diese Länder begangen, und drittens können solche Angriffe in den Gewässern eines NATO-Landes unabsehbare Folgen haben.
Daher waren die Angriffe das Thema in einem Kommentar von Dmitri Kisseljew, dem Moderator des wöchentlichen Nachrichtenrückblicks des russische Fernsehens, der am Sonntagabend ausgestrahlt wurde und den ich übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Kisseljew: Kiews Angriffe sind der Versuch, vom Korruptionsskandal abzulenken
Das russische Außenministerium hat alle vernünftigen Kreise dazu aufgerufen, die Terroranschläge Kiews im Schwarzen Meer zu verurteilen und die zerstörerischen Aktionen des Kiewer Regimes angemessen zu bewerten: „Russland verurteilt die Terroranschläge Kiews auf Tanker im Schwarzen Meer und die Infrastruktur des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC). Nach Meinung des russischen Außenministeriums stehen die Terroranschläge im Schwarzen Meer im Zusammenhang mit dem Versuch, die internationalen Bemühungen zur Lösung des Ukraine-Konflikts zu behindern. Die Drahtzieher in Kiew wollten die Aufmerksamkeit der ukrainischen Bevölkerung vom Korruptionsskandal ablenken.“
Am Abend des 29. November veröffentlichten ukrainische Geheimdienste ein Video eines Angriffs unbemannter Boote auf Tanker im Schwarzen Meer in der ausschließlichen Wirtschaftszone der Türkei. Das Video kursiert im Internet.
Am 28. November setzten zwei Schiffe unter gambischer Flagge Notsignale ab. Der Tanker „Kairos“, der auf dem Weg von Ägypten nach Noworossijsk war, um Öl aufzunehmen, wurde 28 Seemeilen vor der türkischen Küste als erstes angegriffen. An Bord brach ein Feuer aus. Die 25 Besatzungsmitglieder konnten erfolgreich evakuiert werden.
Der andere beschädigte Tanker, die „Virat“, befand sich auf dem Weg von Sewastopol und war 35 Seemeilen vor der Türkei. Auch er wurde von einer Marinedrohne angegriffen. Glücklicherweise blieben beide Schiffe schwimmfähig und kein Besatzungsmitglied wurde ernsthaft verletzt. Die „Virat“ wurde jedoch abgeschleppt und steuert nun auf die türkische Küste zu.
Unter Berufung auf diplomatische Quellen in Moskau berichtete RIA Novosti, dass sich russische Staatsangehörige an Bord der Tanker befanden.
Kiew meldete, dass die Operation von der 13. Direktion für Militärische Spionageabwehr des ukrainischen Sicherheitsdienstes und der ukrainischen Marine gemeinsam durchgeführt wurde.
Das türkische Außenministerium äußerte sich besorgt über die Angriffe auf die beiden Tanker im Schwarzen Meer und erklärte, sie stellten eine Bedrohung für Menschenleben, die Schifffahrt und die Umwelt dar.
Generell bedeutet das Geschehen, dass das Kiewer Regime dem Konflikt eine neue Dimension verleiht. Das Schlachtfeld dehnt sich in die ausschließliche Wirtschaftszone der Türkei und damit auch in die der NATO aus. Unter diesen Umständen wird die Türkei die neuen Risiken bewerten und wohl ihre eigene Sicherheit gewährleisten.
Die Angriffe auf die Tanker waren für Kiew jedoch nicht genug. Am Samstagabend wurde der Anlegeplatz des Caspian Pipeline Consortium (CPC) nahe Noworossijsk durch einen ukrainischen Angriff schwer beschädigt, der Weiterbetrieb ist unmöglich. Es gab keine Opfer unter den Mitarbeitern oder Auftragnehmern, und ersten Berichten zufolge gelangte kein Öl ins Schwarze Meer.
Das kasachische Energieministerium erklärte in einer Stellungnahme: „Um die negativen Folgen zu minimieren und die Förderraten in den wichtigsten Ölfeldern aufrechtzuerhalten, hat das Ministerium umgehend einen Plan zur Umleitung der Ölexportmengen auf alternative Routen aktiviert. Das CPC-Pipelinesystem ist ein internationales Energieprojekt, und jede gewaltsame Aktion gegen seine Anlagen birgt direkte Risiken für die globale Energiesicherheit.“
Das Caspian Pipeline Consortium (CPC) ist die größte Öltransportroute aus der Kaspischen Region auf die Weltmärkte und die wichtigste Route für Kasachstan. Über sie werden mehr als 80 Prozent der Exporte des Landes abgewickelt. Die 1.500 Kilometer lange Pipeline verbindet die Ölfelder in Westkasachstan mit der Schwarzmeerküste, wo das Öl über das CPC-Terminal auf Tanker verladen wird. Die Regierung der Republik Kasachstan beobachtet die Lage genau.
Noch einmal: Der Sinn dieses Terroranschlags ist einerseits, den Friedensprozess zu stören, und andererseits, von dem für Kiew tödlichen Korruptionsskandal abzulenken, ein Diebstahl, in den sowohl europäische Beamte als auch Bidens Amerikaner verwickelt sein könnten.
Überhaupt ist es schwer vorstellbar, dass während der jahrelangen Kämpfe in der Ukraine niemand in den USA oder in Europa bemerkt hat, wie Selenskys Clique Milliarden stiehlt, die europäischen und amerikanischen Steuerzahlern aus den Taschen gezogen wurden.
Der ehemalige polnische Präsident Leszek Miller glaubt nicht, dass der Westen nichts von den Diebstählen wusste, und es würde ihn nicht überraschen, wenn sich herausstellt, dass die Europäer selbst davon profitierten, wie er schrieb: „Es gibt nicht nur Fragen an die ukrainische Elite. Denn wenn in Kiew etwas im Busch war, kann man dann glauben, dass niemand in den westlichen Hauptstädten auch nur die geringste Ahnung hatte? Es ist schwer vorstellbar, dass der mächtige westliche Geheimdienstapparat, der jede Geldüberweisung, jedes Gespräch und jedes Treffen überwachen kann, den gigantischen Korruptionsskandal innerhalb der ukrainischen Strukturen übersehen hat. Hunderte von NATO- und EU-Analysten in Brüssel und den Ländern des Bündnisses. Die Diplomaten in den Botschaften. Und? Niemand wusste etwas? Und wenn sie es wussten, werden sie sich in Zukunft wegen Beihilfe zu dem Betrug verantworten müssen. Und wir sprechen hier nicht von kleinen Betrügereien, sondern vom Diebstahl enormer Summen. Nicht von privaten Geldern, sondern von öffentlichen Geldern westlicher Länder.“
Und tatsächlich gab es, als die ungeheure Korruption in der Ukraine aufgedeckt wurde, keine Reaktion aus den europäischen Hauptstädten. Nur Ungarn und die Slowakei waren empört. Die übrigen Länder schwiegen. Kein Wort der Verurteilung, kein einziger Aufruf zur Aufklärung, zur Einsetzung eines internationalen Untersuchungsteams oder zur Bestrafung der Schuldigen. Es scheint, als fürchten sie, Bei Ermittlungen auf sich selbst zu stoßen.
Es ist kein Zufall, dass der russische Präsident bei seinem Staatsbesuch in Bischkek auf die Absicht der EU-Staats- und Regierungschefs, die 200 Milliarden Euro eingefrorener russischer Vermögenswerte zu stehlen, antwortete: Wer lernt das Stehlen hier von wem? Europa von der Ukraine oder die Ukraine von Europa?
Wörtlich sagte Putin: „Wer bringt es wem bei? Entweder die diebische ukrainische Elite, die Geld von ihren eigenen Steuerzahlern und denen ihrer westlichen Geldgeber stiehlt, denn wir kennen den Korruptionsskandal in Kiew ja nun allzu gut. Entweder lernen sie es von den Europäern, oder die Europäer lernen es von der ukrainischen Elite. In jedem Fall ist es Diebstahl.“
Kurz gesagt: Für die einen ist es Krieg, für die anderen ein Geschäft.
