Da Trumps Friedensplan das große Thema der letzten Woche war, hat es auch die US-Politik überschattet, obwohl Trump derzeit an vielen Fronten kämpfen muss. Um zu zeigen, wie anders in Russland über die politischen Ereignisse in der USA berichtet wird, habe ich den Bericht des USA-Korrespondenten, den das russische Fernsehen am Sonntagabend in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick gezeigt hat, wie jede Woche übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Trump hat Selensky ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen kann
Nicht nur für Kiew, Brüssel und den Rest Europas kam das Auftauchen des Ukraine-Plans, wie sich herausstellte, überraschend, sondern auch für Schlüsselfiguren in Trumps Regierung, wie amerikanische Medien berichten: „Präsident Trump hat der Ukraine eine Frist bis Donnerstag gesetzt, um seinen 28-Punkte-Friedensplan zur Beendigung des von Russland begonnenen Konflikts anzunehmen.“
Am Donnerstag, dem 27. November, feiern die USA Thanksgiving. Dieses Mal zwingt Trump Selensky, wie den traditionellen Truthahn vor dem Servieren, seinen Friedensplan anzunehmen. Und Kiews Verbündete könnten die Beilage werden, sollten sie erneut versuchen, das Abkommen zu sabotieren. Der US-Präsident selbst warnt, dass das nächste Angebot für die Ukraine weitaus schlechter ausfallen wird: „Ich will Frieden. Das hätte schon längst aufhören müssen. Der Krieg der Ukraine gegen Russland hätte nie beginnen dürfen. Wenn ich Präsident gewesen wäre, wäre das nie passiert. Wir versuchen, ihn zu beenden. So oder so müssen wir diesen Krieg beenden.“
Es ist nicht einmal von einem entschlossenen Vorgehen die Rede, es wird klar ausgesprochen: Trumps Geduld ist am Ende.
„Was passiert, wenn Selensky Ihrem Friedensplan nicht zustimmt?“, fragte ein Journalist.
„Dann kann er mit aller Macht weiterkämpfen“, antwortete der US-Präsident.
Diesmal allerdings definitiv ohne Beteiligung der USA. Zu Beginn seiner Präsidentschaft hatte Trump die Militärhilfe und die Lieferung von Geheimdienstinformationen nach Kiew gestoppt, das war Anfang März, unmittelbar nach Selensky Skandal im Weißen Haus. Damals dauerte die disziplinarische Maßnahme etwas mehr als eine Woche.
Nun warnt Washington offiziell: Sollte die Ukraine das Abkommen nicht bis Donnerstag unterzeichnen, werden die Lieferungen von Waffen und Daten amerikanischer Aufklärungssatelliten dauerhaft eingestellt, wie der ehemalige Berater des US-Außenministeriums Richard Haass erklärte: „Die USA stellen wahrhaft fundamentale und existenzielle Forderungen und unterbreiten der Ukraine ein ‚Friss oder stirb‘-Angebot mit einer einwöchigen Frist. Selenskys Dilemma besteht darin, ‚Nein‘ zu sagen, ohne es direkt auszusprechen. Und dann stellt sich die Frage: Wie wird das Weiße Haus reagieren, wenn Russland den Plan annimmt, da er weitgehend seine Interessen berücksichtigt, die Ukraine ihn aber ablehnt? In genau dieser Situation werden wir uns wahrscheinlich in einer Woche wiederfinden.“
CNN-Quellen erklären diese deutliche Verschärfung des Drucks auf Kiew, zu verhandeln, als „Zeitfenster“. Die Lage an der Front und der Korruptionsskandal bilden einen perfekten Sturm, der Selensky im Grunde keine andere Wahl lässt. Selbst Trump, der den Konflikt innerhalb von 24 Stunden beenden wollte, weiß, dass er bereits unentschuldbar im Verzug ist, wie US-Journalisten sagen: „Laut zwei Quellen haben einige US-Beamte erklärt, die Regierung wolle, dass Russland und die Ukraine bis Ende des Jahres eine Einigung erzielen.“
Und das liegt, so Trump, im eigenen Interesse der Ukraine. Er ist sich des katastrophalen Zustands des ukrainischen Energiesektors kurz vor dem Wintereinbruch sehr wohl bewusst, denn er sagte: „Ich fand, sie hätten schneller handeln sollen, denn dieser Winter wird kalt, und viele große Kraftwerke wurden, gelinde gesagt, angegriffen.“
Der US-Präsident hat sich noch nicht zu den konkreten Punkten seines Plans geäußert. Doch auch hier stützt er seinen Plan, seinen knappen Antworten auf Fox News nach zu urteilen, auf die Realität vor Ort.
Das Weiße Haus macht kein Geheimnis daraus, dass es sich bei der Ausarbeitung des Friedensplans für die Ukraine vom Erfolg von Trumps Gaza-Friedensplan inspirieren ließ. Dieser wurde diese Woche vom UN-Sicherheitsrat mit 13 Ja-Stimmen gebilligt, Russland und China enthielten sich. Die Überwachung der Umsetzung der „ukrainischen Initiative“ soll, wie im Fall Gaza, einem „Friedensrat“ unter dem persönlichen Vorsitz von Trump anvertraut werden.
Zudem sind die Verfasser beider Dokumente, zumindest auf amerikanischer Seite, dieselben, wie die Pressesprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt mitteilte: „Sondergesandter Witkoff und Marco Rubio haben im vergangenen Monat im Stillen an dem Plan gearbeitet. Sie haben sich gleichermaßen mit Russland und der Ukraine ausgetauscht, um zu verstehen, was beide Länder für einen dauerhaften Frieden zu tun bereit sind. So beginnen Friedensverhandlungen, nicht wahr? Das war bei Israel, Gaza und allen arabischen Ländern im Nahen Osten genauso. Das ist ein guter Plan für die Ukraine und Russland. Ich denke, er sollte für beide akzeptabel sein.“
Laut CNN erwarten die USA in Kürze ein Treffen mit russischen Vertretern, um Trumps Friedensplan zu erörtern. Steve Witkoff und Marco Rubio befinden sich derweil bereits in Genf, wo Kiew mit Unterstützung der „Koalition der Willigen“ eine erste Stellungnahme an Trump übermittelt. Und zum ersten Mal nimmt US-Heeresminister Daniel Driscoll, der neue Sondergesandte des US-Präsidenten für die Ukraine und ein Freund und Studienkollege von Vizepräsident J.D. Vance, an dem Treffen teil. Vance war es, den Selensky umgehend kontaktierte, nachdem Washington die Frist gesetzt hatte.
Als neues Gesicht im Verhandlungsprozess hat Driscoll sowohl Kiew als auch den Europäern bereits deutlich gemacht, dass er Trumps Position bis zum Ende vertreten wird. Anders als sein Vorgänger, der der 81-jährige „Falke“ und pensionierte General, Vietnamveteran und Ukraine-Unterstützer Keith Kellogg, dessen Tochter ebenfalls für Selensky arbeitet, der nun in den Ruhestand geht, wie CNN berichtet: „Keith Kellogg hat angekündigt, die Regierung Anfang nächsten Jahres zu verlassen. Dadurch entsteht eine erhebliche Lücke hinsichtlich der Frage, auf wen sich die Ukrainer in den Verhandlungen mit der Trump-Regierung stützen können. Und Vance könnte genau der sein, der die Verhandlungen mit den Ukrainern initiiert.“
Das ist ein weiterer beängstigender Weckruf für Selensky. Und das, wo seine Verbündeten in Washington bald wohl noch weniger werden. Michael McCaul, der ehemalige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Kongresses und ein führender Befürworter der Lieferung von F-16-Kampfjets und ATACMS-Langstreckenraketen nach Kiew, tritt ebenfalls zurück.
Der ehemalige republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell, der Trumps Friedensplan für die Ukraine bereits mit dem US-Abzug aus Afghanistan verglichen hat, verlässt ebenfalls den Senat. In den schwindenden Reihen der Ukraine-Lobby herrscht spürbare Panik. Senatorin Shaheen wird sich ebenfalls bald zur Ruhe setzen, geht aber macht noch wie gewohnt weiter, denn sie sagte: „Das ist Putins Plan für die Ukraine. Er lässt keine echten Verhandlungen zu. Meine Kollegen, die Europäer und die ganze Welt haben ihn als bedingungslose Kapitulation vor Putin und Russland kritisiert. Die USA müssen Druck auf Moskau ausüben, der Ukraine Langstreckenwaffen liefern und Sanktionen sowie Sekundärsanktionen gegen Unternehmen verhängen, die Russlands Kriegsmaschinerie am Laufen halten. Wir müssen Putin an den Verhandlungstisch zwingen und dürfen uns in diesem Abkommen nicht einfach nur auf seine Seite schlagen.“
Um das Gleichgewicht zu wahren, arbeiten die Republikaner im Kongress mit Trumps Zustimmung erneut an einem Gesetzentwurf, der Zölle von bis zu 500 Prozent auf alle Importe aus Ländern vorsieht, die russische Energieträger beziehen. Dabei geht es vor allem um Indien und China. Doch diese Liste soll, wie Trump droht, erweitert werden: „Die Republikaner verabschieden ein sehr hartes Gesetz, es sieht Sanktionen und so weiter vor. Sie könnten den Iran zu den Ländern hinzufügen, die mit Russland Geschäfte machen. Wie Sie wissen, habe ich das vorgeschlagen.“
Das Gesetz selbst wurde Anfang April eingebracht und lag bis jetzt auf Eis. Nun wird es im Eilverfahren zur Abstimmung gebracht. Trump stellt nur eine Bedingung: Er will persönlich die Kontrolle über neue Sanktionen gegen Russland behalten, wie US-Medien berichten: „Dem Weißen Haus und dem Präsidenten war es stets wichtig, dass das Sanktionspaket eine Ausnahme enthält, die sicherstellt, dass die endgültige Entscheidungsgewalt über Sanktionen beim Präsidenten liegt.“
Gleichzeitig versprechen die USA Russland im neuen Ukraine-Plan wirtschaftliche Zusammenarbeit, etwas, das Trump selbst so sehr wünscht und worüber er seit seinem Amtsantritt spricht, wie US-Medien schreiben: „Sollte der Plan vollständig angenommen werden, wird Russland eingeladen, wieder der G8 beizutreten, und ihm wird die Aufhebung der Sanktionen versprochen, die den Kreml Hunderte Milliarden Dollar an Einnahmen gekostet haben. Washington und Moskau werden gemäß dem 28-Punkte-Plan in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Datenverarbeitung, Energiegeschäfte und dem Abbau seltener Erden in der Arktis zusammenarbeiten.“
Ein „Traumdeal“, wie Trump ihn sieht.
Dem saudischen Prinzen Mohammed bin Salman, der versprochen hat, die Investitionen in den USA von 600 Milliarden auf eine Billion Dollar zu erhöhen, wurde im Weißen Haus ein wahrhaft königlicher Empfang bereitet. Niemand hinterfragt die Realisierbarkeit dieser Versprechen.
Als Reaktion darauf hat Trump Riad bereits Waffenlieferungen im Wert von 142 Milliarden Dollar zugesagt, der größte Rüstungsauftrag in der Geschichte der USA. Allerdings kann der amerikanische militärisch-industrielle Komplex diese Waffen kaum produzieren, aber darüber spricht man derzeit lieber nicht, schließlich ist Trump die Show manchmal wichtiger als das Geschäft.
Beim abendlichen Empfang anlässlich des Besuchs des saudischen Prinzen waren die Größen der amerikanischen Tech-Branche anwesend: Elon Musk kehrte ins Weiße Haus zurück, und an den Tischen saßen Amazon-Gründer Jeff Bezos, Apple-Chef Tim Cook und Fußballstar Cristiano Ronaldo, der für den saudischen Club Al-Nassr spielt.
Allein das war das Bankett wert, wie Trump in seiner Rede sagte: „Mein Sohn ist ein großer Fan von Ronaldo, der übrigens auch hier ist. Sie konnten sich kennenlernen, und ich glaube, mein Sohn hat jetzt noch mehr Respekt vor mir, einfach weil ich sie einander vorgestellt habe. Das ist mir eine große Ehre.“
Trump veröffentlichte ein KI-generiertes Video in sozialen Medien, in dem er mit Ronaldo im Oval Office Fußball spielte.
Darauf folgte ein ebenso merkwürdiges Treffen mit Zohran Mamdani, dem demokratischen Sozialisten, der die Bürgermeisterwahl in New York City gewonnen hatte und den Trump zuvor als „verrückten Kommunisten“ bezeichnet hatte. Was ein Skandal im Stile des Selensky-Skandals hätte werden können, entwickelte sich zu einer unerwarteten Versöhnung. Der Präsident tätschelte seinen Gast, blickte ihn väterlich an, versprach, in New York keine harten Razzien gegen Migranten durchzuführen, und verteidigte ihn schließlich sogar, als Journalisten Mamdani daran erinnerten, dass er Trump als Faschisten bezeichnet hatte.
Es scheint, als suche der US-Präsident nun überall nach neuen Verbündeten, selbst am anderen Ende des politischen Spektrums. Das alte Bündnis zwischen Trump und MAGA ist durch die „Epstein-Akten“ gespalten. Die Abstimmung im Kapitol ergab 427 Ja-Stimmen und nur eine Nein-Stimme. Trumps treueste Anhänger fordern die Offenlegung aller Dokumente, die den milliardenschweren Pädophilen betreffen.
Das Justizministerium wird das brisante Material voraussichtlich innerhalb der nächsten 30 Tage veröffentlichen. Auf die Frage von Reportern, was zu erwarten sei, reagierte der Präsident sichtlich nervös und blaffte die Journalistin an: „Halt die Klappe, du Schwein!“
Die Erklärung des Weißen Hauses, Trumps Reaktion sei auf die Flut an Falschmeldungen zurückzuführen, verstärkt den Verdacht nur. Er selbst hatte im Wahlkampf versprochen, die Namen aller Klienten Epsteins offenzulegen. Nach seinem Amtsantritt verzögerte er die Veröffentlichung jedoch, was der Experte der Demokratischen Partei, Abu Amara, so kommentierte: „Trump hat diese Welle genutzt, um ins Amt zu gelangen, indem er die Veröffentlichung des Epstein-Dossiers versprach. Er gab nicht nur dem amerikanischen Volk, sondern auch der MAGA-Bewegung das Versprechen, dass es Konsequenzen geben würde. Ich denke, deshalb hat das alles die Basis der Republikanischen Partei und die MAGA-Bewegung so hart getroffen, denn es geht um Trumps Präsidentschaft selbst“.
Marjorie Taylor Greene war die lautstärkste MAGA-Aktivistin, die sich für die Veröffentlichung der Epstein-Akten einsetzte. Wegen ihrer Angriffe nannte Trump sie „verrückt“ und „Verräterin“ und drohte ihr, ihre Gegner zu unterstützen, sollte sie im nächsten Jahr erneut kandidieren. Greene reichte als Erste die Scheidung ein und kündigte ihren Rücktritt vom Kongress für Januar an und erklärte in einem Video: „Der Schutz amerikanischer Frauen, die mit 14 Jahren vergewaltigt, verschleppt und von reichen und mächtigen Männern ausgebeutet wurden, darf nicht dazu führen, dass ich als Verräterin beschimpft und vom US-Präsidenten, für den ich gekämpft habe, bedroht werde.“
Abgesehen von der merkwürdigen Verzögerung bei der Veröffentlichung der Epstein-Akten wird Trump vom MAGA-Flügel bereits wegen seines Verrats am „America First“-Prinzip kritisiert. Er widmet der internationalen Politik zu viel Zeit. Es droht ein Krieg mit Venezuela, denn eine von der USS Gerald Ford, dem größten Flugzeugträger der USA, angeführte Kampfgruppe ist bereit, Operationen vor der Küste Venezuelas zu beginnen.
Offiziell soll der Drogenhandel bekämpft werden, inoffiziell ist das Ziel jedoch, Präsident Maduro zu stürzen. Trump ist bereit, ihm eine weitere Chance zu geben, wenn Maduro amerikanischen Unternehmen Zugang zu venezolanischem Öl gewährt.
Der amerikanische Präsident wird bis Donnerstag mit vielen Leuten sprechen müssen. Ein persönliches Treffen mit Selensky ist nicht ausgeschlossen, vorausgesetzt, Kiew ist bis dahin bereit, Trumps Bedingungen zuzustimmen.
http://anti-spiegel.ru/2025/trump-hat-selensky-ein-angebot-gemacht-das-er-nicht-ablehnen-kann/
