POLITIK

Wie der Spiegel von der Gefahr eines Super-GAU im AKW Saporoschje als Folge von ukrainischem Beschuss ablenkt

2025-09-30 spiegel.ru s. 59
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Letzte Woche hat die ukrainische Armee die Stromversorgung des AKW Saporoschje durch Beschuss zerstört. Das seit 2022 abgeschaltete AKW braucht jedoch externe Stromversorgung, um die Kühlung der Brennstäbe in seiner sechs Reaktoren sicherzustellen, die sich ohne Kühlung unkontrolliert erhitzen und schließlich schmelzen würden. Das würde einen Super-GAU bedeuten. 

Seit inzwischen sechs Tagen wird die Stromversorgung des AKW nun mit Dieselgeneratoren sichergestellt, eine Gefahrensituation, wie es sie in der Geschichte der Kernkraft noch nie gegeben hat. Da der Diesel irgendwann zur Neige gehen könnte und ukrainischer Beschuss von Tankwagen den Nachschub bedroht, wird die Lage immer gefährlicher.

Gefährliche Desinformation

Der Spiegel hat vor einigen Tagen darüber berichtet, seine Leser dabei aber in wirklich unverantwortlicher Weise desinformiert, indem er unter der Überschrift „Angriffskrieg gegen die Ukraine – Russland will AKW Saporischschja laut Ukraine an eigenes Netz anschließen“ nur die ukrainische Propaganda nachgeplappert hat, ohne auch die andere Seite zu Wort kommen zu lassen. In der Einleitung schrieb der Spiegel:

„Der ukrainische Außenminister warnt vor »großen Risiken«, sollte das Atomkraftwerk im Süden der Ukraine an russische Netze angeschlossen werden. Der russische Betreiber weist die Vorwürfe zurück.“

Schon das ist reine Desinformation, denn welche Risiken sollten entstehen, wenn das AKW an russische Stromnetze angeschlossen würde? Das AKW wurde noch zu Sowjetzeiten gebaut und in Russland stehen viele AKW des gleichen Typs, der russische Betreiber hat also reichlich Erfahrung mit dieser Art von AKW.

Um diese angebliche Gefahr zu erklären, zitiert der Spiegel den ukrainischen Außenminister:

„Sybiha warf dem Betreiber vor, »jede Rücksicht auf die nukleare Sicherheit zu ignorieren«. Russland habe 200 Kilometer Stromleitungen gelegt, um das AKW wieder hochzufahren und mit von Moskau kontrollierten Netzen zu verbinden.“

Dass Russland das AKW wieder hochfahren könnte, ist reine Desinformation, denn Russland hat wegen des ukrainischen Beschusses schon genug Probleme damit, das AKW im abgeschalteten Zustand zu kühlen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO), die beim AKW Beobachter hat, hat nach dem ukrainischen Beschuss auf X gemeldet, dass das schon das zehnte Mal seit 2022 ist, dass das AKW von der Stromversorgung getrennt wurde und von Dieselgeneratoren mit Strom versorgt werden musste.

Die unrühmliche Rolle der IAEO

Allerdings hat die IAEO – wie immer – nicht erwähnt, warum das AKW von der Stromversorgung abgetrennt wurde. Sogar als deren eigene Experten letzte Woche bei ukrainischen Beschuss des Trainingszentrums des AKW in Gefahr gerieten und von russischen Sicherheitskräften in Sicherheit gebracht werden mussten, hielt die IAEO es nicht für nötig, die Herkunft des Beschusses zu erwähnen.

Die IAEO sagt, sie sei keine militärische Expertengruppe und könne sich daher zur Herkunft des Beschusses nicht äußern. Allerdings weigert sie sich auch, die Trümmer der Granaten und Raketen, mit denen das AKW-Gelände seit 2022 beschossen wird, einzusammeln und qualifizierten Experten zu übergeben. Die könnten die westlichen Waffen, wie beispielsweise HIMARS-Raketen, identifizieren, über die Russland nicht verfügt und mit denen die Ukraine das AKW in den letzten über drei Jahren immer wieder beschossen hat.

Auch könnte schon die Richtung, aus der der Beschuss kommt, die Frage klären, wer das AKW beschießt. Aber auch da schaut die IAEO nicht allzu genau hin, obwohl die Einschlagsstellen von Granaten und Raketen eindeutig zeigen, woher der Beschuss gekommen ist.

Ein AKW „stehlen“

Aber all das erwähnt der Spiegel nicht und dazu stellt er auch keine unangenehmen Fragen, stattdessen zitiert er brav die ukrainische Propaganda, wie auch dieser Teil des Spiegel-Artikels zeigt:

„Die Ukraine wirft Russland vor, das Atomkraftwerk Saporischschja gezielt vom ukrainischen Stromnetz abgeschnitten zu haben. Außenminister Andrij Sybiha schrieb auf X, die russische Regierung wolle das AKW »stehlen« und an das russische Netz anschließen. Dadurch entstünden »große Risiken«, warnte er.“

Es muss der Ukraine ja nicht gefallen, aber Russland braucht das AKW nicht zu „stehlen“, denn es ist unbestreitbar bereits unter russischer Kontrolle und steht aus russischer Sicht auf russischem Gebiet. Es gehört Russland aus seiner Sicht also bereits, zu „stehlen“ braucht es das AKW nicht. Der ukrainische Minister hätte, wenn er sich schon so äußern wollte, schreiben müssen, dass Russland das AKW schon „gestohlen“ habe.

Russland schon mal vorsorglich beschuldigen

Aber darum geht es dabei gar nicht, es geht darum, Russland im Vorwege schon mal medial für den Fall zu beschuldigen, dass Kühlung ausfallen und es tatsächlich zu einer Kernschmelze kommen sollte.

Da das AKW nur 20 bis 30 Kilometer von der Front entfernt ist, gibt es in der Region viele ukrainische Drohnen, ich war selbst mehrmals in der Gegend. Daher wäre es für die Fahrer von Tanklastern, die dem AKW unter Zeitdruck Nachschub an Diesel bringen müssten, ein regelrechtes Himmelfahrtskommando, dorthin zu fahren.

Dass Russland unter diesen Umständen versuchen könnte, das AKW ans russische Stromnetz anzukoppeln, anstatt sich weiterhin auf die Versorgung aus der Ukraine zu verlassen, wäre daher mehr als sinnvoll.

Am Ende seines Artikels kommt der Spiegel doch noch auf den Beschuss zu sprechen und schreibt:

„Das AKW Saporischschja im Süden der Ukraine hat sechs Reaktoren und ist das größte Nuklearkraftwerk Europas. Russische Truppen hatten das AKW bereits im März 2022 besetzt. Seitdem beschießen beide Seiten das Gebiet immer wieder und beschuldigen sich gegenseitig.“

Ein Blick auf die Landkarte genügt, um zu verstehen, dass letztere Aussage gelogen ist. Das Gebiet Dutzende Kilometer rund um das AKW ist in russischer Hand. Warum sollte Russland sein eigenes Gebiet beschießen?

Ich war wie gesagt mehrmals in dem Gebiet unterwegs und habe dabei auch mit Verantwortlichen gesprochen, die alle darüber klagen, dass das Gebiet von der Ukraine beschossen wird. Ein Beispiel dafür war mein Interview mit der Bürgermeisterin einer Frontstadt, die nur etwa 30 Kilometer Luftlinie vom AKW entfernt liegt.

Dass westliche Medien selbst angesichts der Tatsache, dass die Ukraine einen Super-GAU riskiert, an ihren pro-ukrainischen Narrativen festhalten und kein Wort der Kritik an Kiew äußern, lässt mich ernsthaft am gesunden Menschenverstand der zuständigen Redakteure zweifeln.

http://anti-spiegel.ru/2025/wie-der-spiegel-von-der-gefahr-eines-super-gau-im-akw-saporoschje-als-folge-von-ukrainischem-beschuss-ablenkt/

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