POLITIK

In Russland schaut man ungläubig auf die explodierende Kriminalität in der EU

2025-09-26 spiegel.ru s. 64
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Die „Euro“ war in Russland 20 Jahre lang ein Synonym für Wohlstand und Recht und Ordnung. Frisch renovierte Wohnungen wurden als „Euro-Wohnungen“ bezeichnet und es gab noch viele andere Beispiele, in denen das Wort „Europa“ im umgangssprachlichen Russisch pauschal für etwas Gutes stand.

Umso schockierter ist man in Russland daher, wenn Medien – und Freunde und Verwandte, die nach Europa ausgewandert sind – nun von den heutigen Zuständen in Europa berichten. Die explodierende Kriminalität bestehend aus Messermorden in Deutschland, Bandenkriegen und außer Kontrolle geratenen Vorstädten in Frankreich, Schießereien und Bandenkriege im einst so idyllischen Schweden, der Euro-Hauptstadt Brüssel als gefährlichste Stadt Europas und so weiter – all das schockiert und überrascht die Menschen in Russland.

Dabei muss man sich vergegenwärtigen, wie sicher das Leben im heutigen Russland ist. Die Vorstellung, dass eine Frau nachts allein in der U-Bahn Angst haben muss, ist in Russland absurd und wenn ich Russen erzähle, dass die Hälfte der Deutschen heute im ÖPNV Angst haben, ernte ich dafür ungläubige Blicke. In Russland können Frauen vollkommen ohne Angst auch mitten in der Nacht durch jeden dunklen Park gehen (ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin oft nachts mit meinem Hund in Parks unterwegs und sehe auch Frauen bei Nachtspaziergängen).

Autodiebstähle gibt es beispielsweise in Moskau praktisch gar nicht mehr, weil die lückenlose Überwachung des Straßenverkehrs mit Kameras es unmöglich gemacht hat, ein Auto zu stehlen und damit allzu weit zu kommen. Generell beträgt die Kriminalität in Russland pro Kopf der Bevölkerung nur ein Sechstel der Kriminalität in Deutschland, wie ich hier aufgezeigt habe.

Ich übersetze hier eine Zusammenfassungder russischen Nachrichtenagentur TASS über die Kriminalität in Europa. Was die TASS hier zusammenstellt, klingt für Russen wegen der heute so umfassenden Sicherheit in Russland geradezu wie aus einer anderen Welt.

Beginn der Übersetzung:

Schießereien in Innenstädten, Rekrutierung von Jugendlichen: Wie die Kriminalität in der EU aufblüht

Schießereien, Explosionen, Konflikte zwischen Drogenbanden, damit sind einige Städte in der EU in den letzten Jahren konfrontiert. Wo es in der EU am gefährlichsten ist, erfahren Sie im Artikel der TASS.

„Jeder Stadtbewohner kann von einem Querschläger getroffen werden”

Brüssel gilt als eine der gefährlichsten Städte der EU, wo sich die Kriminalitätslage in den letzten Jahren stark verschlechtert hat. Mehrmals wöchentlich kommt es dort zu Schießereien zwischen Drogenbanden und auf den Straßen sind Diebstähle und Gewalttaten keine Seltenheit. Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres wurden bei elf Schießereien zwei Menschen getötet und vier verletzt.

Bei den Schießereien in der belgischen Hauptstadt wurde auch das Auto des polnischen Europaabgeordneten Waldemar Buda beschädigt, es wurde am 15. September beschossen. Zum Zeitpunkt des Angriffs befand sich Buda nicht im Auto, das seinen Angaben zufolge von „neun präzisen Schüssen“ getroffen wurde.

Die Lage in der Stadt ist je nach Stadtteil sehr unterschiedlich. Die gefährlichsten Gebiete sind das Stadtzentrum, die Gemeinden Molenbeek (Nordwesten), Anderlecht (Westen), das Gebiet um den Nord- und Südbahnhof sowie die Einkaufsstraßen entlang des Brüsseler Kanals. „Jeder Brüsseler und jeder Stadtbewohner kann von einem Querschläger getroffen werden“, sagte der Brüsseler Staatsanwalt Julien Moinil.

Aufgrund der sich verschärfenden Kriminalitätslage werden die Straßen der belgischen Hauptstadt künftig vom Militär patrouilliert. „Unsere Hauptstadt Brüssel ist aus Sicht der Sicherheit eine Katastrophe. Wir müssen die Kontrolle über die Stadt zurückgewinnen“, erklärte Verteidigungsminister Theo Francken.

Darüber hinaus versprach das Innenministerium, 20 Millionen Euro für die Installation neuer Videokameras in den problematischsten Vierteln der Stadt bereitzustellen, in denen Drogen- und Waffenhandel am aktivsten ist.

Kriminelle Netzwerke rekrutieren Minderjährige

Auch Schwedens einst friedliche Hauptstadt steht vor Sicherheitsproblemen. Bis August 2025 wurden in Stockholm 55 Schießereien gemeldet, bei denen neun Menschen starben.

Schweden leidet generell unter kriminellen Netzwerken, die mit Drogen und Waffen handeln und Sozialbetrug begehen. In dem Land gibt es regelmäßig Schießereien und Explosionen.

Nach Angaben der Polizei agieren die Anführer krimineller Netzwerke zunehmend aus dem Ausland, organisieren Morde und Überfälle über soziale Netzwerke und rekrutieren Minderjährige, die noch nicht strafmündig sind, für die Durchführung der Angriffe.

Laut Statista lag Schweden im Jahr 2022 bei der Zahl der Schusswaffenmorde pro 100.000 Einwohner an dritter Stelle in Europa. Nur Montenegro und Albanien liegen noch davor. Und obwohl die Zahl der Schießereien seitdem zurückgegangen ist, hat die Zahl der Explosionen zugenommen.

„Der Staat hat nichts, worauf er stolz sein kann“

Eine weitere Stadt, die unter Drogenkriegen leidet, ist Marseille in Frankreich. Im vergangenen Jahr wurde die Stadt von zwei Morden erschüttert, an denen Jugendliche beteiligt waren. Im Oktober erschoss ein 14-jähriger Schüler einen 36-jährigen Taxifahrer, der zu diesem Zeitpunkt am Steuer saß. Zwei Tage zuvor war ein 15-Jähriger ermordet worden: Auf ihn wurde 50-mal eingestochen und anschließend wurde er lebendig verbrannt.

Die beiden Verbrechen waren miteinander verbunden. Wie der Marseiller Staatsanwalt Nicolas Besson erklärte, wurde der 15-jähriger Teenager von einem 23-jährigen Mitglied einer Drogenbande angeheuert, das eine Haftstrafe verbüßte. Er sollte für eine Belohnung von 2.000 Euro die Tür eines Mitglieds einer anderen Bande in Brand setzen. Aber er schaffte es nicht, die Aufgabe zu erledigen und die Mitglieder dieser Bande erwischten ihn und haben brutal mit ihm abgerechnet.

Das Bandenmitglied, das ihn angeheuert hatte, bot dem 14-jährigen Jungen später eine Belohnung für den Mord an dem Anführer einer rivalisierenden Bande an. Er fuhr mit einem Taxi zum Tatort, doch der Fahrer weigerte sich zu warten. Der Teenager schoss ihm daraufhin in den Kopf und floh.

Nach neuesten Angaben ist die Zahl der Todesfälle bei Schießereien mit Beteiligung der Drogenmafia in Marseille im letzten Jahr deutlich zurückgegangen.

„Dieser deutliche Rückgang ist nicht auf die Effektivität von Polizei und Justiz zurückzuführen, sondern auf das (zweifellos vorübergehende) Ende des Krieges zwischen dem Yoda-Clan und dem DZ-Mafia-Clan, den letzterer gewonnen hat. Der Staat hat also keinen Grund, stolz zu sein“, erklärte Experte Julien Sapori.

Keine Schießereien, sondern Explosionen

Auch Amsterdam gilt in der EU als Gefahrenzone, doch das größte Problem sind dort nicht Schießereien, sondern Explosionen. Das ist typisch für die Niederlande insgesamt: In der ersten Hälfte dieses Jahres registrierte die Regierung fast 700 solcher Fälle.

Wie der Fernsehsender NOS am 3. September berichtete, wurde ein Teenager auf einer Straße in Amsterdam festgenommen, nachdem er versucht hatte, einen Sprengsatz zu zünden, der jedoch nicht detonierte. Innerhalb von etwa einer Woche ereigneten sich dort drei Explosionen.

Jahrelang war diese Form der Gewalt typisch für Konflikte zwischen Drogenbanden, die häufig Handgranaten einsetzten. Nun aber wird diese Taktik laut der Polizei auch von anderen angewendet, darunter auch von Konkurrenten.

http://anti-spiegel.ru/2025/in-russland-schaut-man-unglaeubig-auf-die-explodierende-kriminalitaet-in-der-eu/

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