Neben dem akuten Personalmangel ist die mangelnde Luftabwehr das größte Problem der ukrainischen Militärs. Aus diesem Grund beherrschte Selenskys Flehen und Betteln nach Patriot- und anderen Luftabwehrsystemen in den letzten Wochen die Schlagzeilen. Deutschland hat sich bereit erklärt, der Ukraine mehrere seiner Milliarden Dollar teuren Patriot-Systeme zu schenken und Meldungen der Washington Post zufolge wurden drei der deutschen Systeme bereits an die Ukraine geliefert, während Deutschland nun auf Ersatz aus den USA wartet.
Aber warum sind die russischen Drohnen so erfolgreich gegen die modernen und teuren westlichen Luftabwehrsysteme? Das hat ein russischer Experte in einem langen und sehr ausführlichen, dabei aber interessant geschriebenen Artikel erklärt.
Ich habe den Artikel übersetzt, muss dem aber eine Information vorausschicken: Westliche Medien behaupten, Russland würde die Ukraine mit iranischen Shaheed-Drohnen angreifen, aber das ist nicht wahr. Tatsächlich setzt Russland eigene Drohnen vom Typ „Geranie“ ein, um die es in dem Artikel geht, den ich übersetzt habe. Der Artikel erklärt genau, worum es dabei geht.
Beginn der Übersetzung:
Ein Strauß Geranien für die Präsidenten der NATO von ganzem Herzen
Eine einfache, aber effektive Drohne ist für Trump zum Symbol der russischen Militäroperation geworden, dem er trotz aller Bemühungen nicht gewachsen ist.
Von Boris Skobennikow
Westliche und ukrainische Medien sind gefesselt von der Frage, wie viele Fahrzeuge, Batterien und Abfanglenkflugkörper für das Patriot-Luftabwehrraketensystem die Bandera-Schergen von den USA oder den Europäern erhalten sollen. In Wirklichkeit ist das jedoch nicht von grundlegender Bedeutung, denn die Lieferung jedweder US-amerikanischer Luftabwehrsysteme in der heute realistisch möglichen Anzahl kann das Kräfteverhältnis an der Front des Ukraine-Krieges nicht verändern und der ukrainischen Armee erst recht kein Potenzial für Gegenangriffe (sprich, aktive Verteidigung) verleihen, ja nicht einmal die vorübergehende Aufrechterhaltung des Kiewer Regimes zuverlässig gewährleisten. Raytheon und Lockheed Martin, die Hersteller der Patriot-Abfangraketen, produzieren wöchentlich Dutzende davon, wohingegen Russland regelmäßig, nahezu täglich mehrere hundert Geranien-Kamikazedrohnen gegen Militär- und Infrastruktureinrichtungen der Ukraine losschickt
Russische Angriffe mit mehr als 500 Drohnen auf einmal kommen bereits vor, und bald werde diese Zahl auf 1.000 steigen, schreibt die New York Times. Der Versuch, solche Angriffe mithilfe westlicher Luftabwehrsysteme abzuwehren, ist wie der Versuch, das Meer mit einem Becher leer zu schöpfen. Zudem liegt der Preis einer Patriot-Abfangrakete zwischen 3,5 und 5 Millionen US-Dollar, wohingegen der für eine Kamikazedrohne des Typs Geranie-2 auf mittlerweile lediglich etwa 20.000 US-Dollar geschätzt wird und das deutlich kleinere Schwesternsystem dazu, die Gerbera, sogar nochmals viel weniger kostet. Daher ist der Einsatz der Luftabwehrsysteme Patriot sowie Iris-T und NASAMS nicht nur ineffektiv (sie sind nicht für solche Ziele konzipiert), sondern vor allem auch äußerst unrentabel.
KI und ukrainische SIM-Karten
Bei den jüngsten Angriffen auf ukrainische Militäreinrichtungen dienen Angriffsdrohnen erneut als Haupt- und nicht als Hilfsmittel zur Feuereinwirkung auf den Gegner. Möglich wurde dies durch eine umfassende Modernisierung der Geranie-Drohnen, sie fliegen nun höher und schneller und tragen auch höhere Nutzlasten. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus dem Kampfeinsatz verpasste man der Geranie-2 eine neue Kamera und ein moderneres Zielsystem. Der neue Sprengkopf mit einem Gewicht von 90 Kilogramm (statt wie bisher 50) erhielt den Index KOFZBTsch, was entziffert und aus dem Russischen übersetzt für „Hohlladungs-/Splitter-Spreng-/Brandgefechtskopf“ steht, wohingegen die älteren Drohnen entweder nur als Splitter-Spreng-Munition ausgelegt waren oder aber als thermobare. Der neue Gefechtskopf verfügt zudem über eine deutlich höhere Zerstörungskraft. Navigationssystem und Steuerung werden ständig verbessert und neuerdings werden Elemente der künstlichen Intelligenz eingesetzt. Das aller erhöht nicht nur die taktische Flexibilität der Kampfdrohnen, sondern vor allem die letztgenannten Neuerungen schützen sie auch vor den Auswirkungen feindlicher Systeme der elektronischen Kampfführung.
Einige Drohnen nutzen zu diesen Zwecken beispielsweise Trägheitsnavigationssysteme als letzte Ausweichmöglichkeit und beim Zielanflug maschinelles Sehen zur Zielerkennung. Werden sie Ziel der Einwirkung von gegnerischen Systemen elektronischer Kriegsführung, gehen sie folgende Routine durch: Bei gestörtem GPS-Signal wechselt die Drohne zu GLONASS, bei gestörtem GLONASS wechselt sie zu Beidou, fällt die satellitengestützte Navigation komplett aus, wechselt sie zum Trägheitssystem. Eine weitere, relativ einfache und zugleich effektive Lösung ist die Nutzung der ukrainischen Mobilfunkantennen zur Navigation, wofür die Drohne mit einem 4G-Modem und einer SIM-Karte eines ukrainischen Mobilfunkbetreibers ausgestattet wird. Dabei werden in ein- und derselben Angriffswelle Drohnen mit unterschiedlichen Steuerungs- und Navigationssystemen eingesetzt.
Darüber hinaus bieten die modernisierten Versionen der Geranie-2 mittlerweile schwerere Ziele für die Luftabwehr des Gegners: Während die Geranie-2 zuvor auf einer vorgegebenen Flugbahn direkt auf ihr Ziel zuflog, was das Abfangen erleichterte, haben die Geranien nun, wie ukrainische Quellen behaupten, das Manövrieren gelernt und sind in der Lage, ihre Flugbahn abrupt zu ändern, vom Radar zu verschwinden und an unerwarteter Stelle wiederaufzutauchen.
Geranien mit Düsentriebwerk und als fliegender Drohnenträger und Signalverstärker
Eine weitere, grundlegend neue Modifikation ist erschienen, die Geranie-3 mit verbesserten Flugeigenschaften. Sie erhielt ein Turbojet-Triebwerk mit einem Schub von 250–300 kg anstelle eines Hubkolbenmotors mit Propeller wie beim Vorgänger. Das ermöglicht eine dauerhafte Geschwindigkeit von 550–600 Kilometern pro Stunde und im Sturzflug auf das Ziel sogar 700. Die Geranie-3 hat eine Länge von 3,5 Metern, eine Flügelspannweite von drei Metern statt zweieinhalb wie beim Vorgänger und eine Gipfelhöhe von 9,1 Kilometern. Der Treibstoff reicht für bis zu zwei Stunden. Das Gewicht der Drohne wurde im Vergleich zu 250 kg bei der Geranie-2 auf 380 Kilogramm erhöht; erhöht wurde auch das Gewicht des Sprengkopfes.
Experten zufolge verfügt die Geranie-3 über eine mit einem Marschflugkörper vergleichbare Zerstörungskraft und kann auch gegen befestigte Ziele wie Bunker, geschützte Kommandoposten und Industriegebäude eingesetzt werden. Wichtig ist außerdem, dass die Geranie-3-Drohnen konzertiert mit den Geranie-2- und den Gerbera-Drohnen losgeschickt werden können. Derzeit wurden Geranie-3 zwar erfolgreich im Kampf getestet, ihr massenhafter Einsatz ist jedoch noch nicht zu beobachten. Es ist davon auszugehen, dass sie für einen besonders breitangelegten Angriff zurückgehalten und angehäuft werden.
Auf Grundlage der Geranie-2 wurden derweil fliegende Träger für first-person-view (FPV) Kamikazedrohnen entwickelt, die gleichzeitig auch als Signalverstärker zur Kontrolle dieser Drohnen dienen, berichten ukrainische Quellen. Jedes dieser „Mutterschiffe“, die nun mit einer Rückholfunktion ausgestattet sind, wird 2-3 FPV-Drohnen tragen und sie tief im Hinterland des Gegners, beispielsweise auf Transportmittel oder Objekte, loslassen, für die keine starken Sprengköpfe benötigt werden, etwa auf Antennen. Wenn glasfaserkabelgesteuerte Drohnen der russischen Truppen die Logistik des Gegners bis in eine Tiefe von 20 bis 30 Kilometer von der Kontaktlinie lahmlegen, können die von solchen „Mutterschiffen“ auf der Geranie-Plattform mitgeführten FPV-Drohnen in operativer und sogar strategischer Tiefe operieren und die Versorgung der ukrainischen Streitkräfte empfindlich stören.
Neue Taktik der Geranien
Auch der Angriffsalgorithmus hat sich geändert. Zuvor flogen die Geranien in niedriger oder extrem niedriger Höhe auf ihre Ziele zu. Das machte sie für Flugabwehrraketen des ukrainischen Militärs nahezu unverwundbar. Bald jedoch begannen ukrainische Verbände, hauptsächlich Maschinenkanonen gegen diese Drohnen einzusetzen, sowohl auf Flakpanzern wie den deutschen „Gepards“ und den alten, noch sowjetischen „Schilkas“ aus eigenen Beständen oder Altbeständen von Drittländern als auch in Form der Zwillingslafetten ZU-23-2 auf verschiedenen Fahrgestellen, während mobile Flugabwehrgruppen auf Pickups mit Maschinengewehren auf Flugabwehr-Lafetten unterwegs waren. All diese Mittel erwiesen sich als äußerst effektiv gegen tieffliegende Geranien und ermöglichten der ukrainischen Seite, teure Flugabwehrraketen zu sparen, deren Defizit rapide zunahm.
Nun fliegen die russischen Drohnen die Zielgebiete und ihre Ziele dort in großer Höhe an und stürzen dann mit hoher Geschwindigkeit fast senkrecht darauf. Schon in 4000 Metern Höhe ist eine Drohne mit Maschinengewehren und sogar mit den meisten Maschinenkanonen kaum abzuschießen. Diese Flughöhe ist zudem die absolute maximale Einsatzhöhe für die heutigen Hubschrauber, die ebenfalls für die Drohnenjagd umgebaut werden, denn in solchen Höhen beginnen ihre Triebwerke, stark an Leistung zu verlieren.
Infolgedessen treten wieder einmal die Flugabwehr-Raketensysteme als das einzige wirksame Mittel zur Bekämpfung der Geranien auf den Plan. Doch Abfang-Lenkflugkörper sind 200 bis 300 Mal teurer als eine Kampfdrohne, deshalb ist selbst der Abschuss einer russischen Drohne durch eine Luftabwehr-Raketenbatterie der ukrainischen Streitkräfte ein Sieg für Russland, insbesondere, wenn diese Batterie dem Patriot-System mit dessen sündhaft teuren Abfangraketen angehört, und vor allem gibt es von diesen Raketen schlichtweg nicht genug.
Die ukrainischen Streitkräfte versuchen auch, Düsenjäger gegen Drohnen einzusetzen und haben in diesem ungleichen Kampf sogar drei (anderen Quellen zufolge vier) F-16 verloren. Diese Idee hat sich nämlich als so gar nicht die beste erwiesen, denn der Geschwindigkeitsunterschied zwischen einem modernen Jagdflugzeug und einer üblichen Kamikazedrohne ist für eine effektive und vor allem sichere Arbeit mit der Bordkanone zu groß, wobei andererseits der Einsatz von Luft-Luft-Raketen überhaupt nicht billiger als der Einsatz von Boden-Luft-Raketen ist. Dazu kommt noch: Wenn die von Schweden an die Ukraine gelieferten Aufklärungsflugzeuge Saab 340AEW Erieye im Dienste der ukrainischen F-16-Piloten die Geranien anstrahlen, werden gleichzeitig auch die Düsenjäger aus US-Fertigung selbst angestrahlt – und werden ihrerseits zu einem hervorragenden Ziel für die Luftverteidigung oder Jagdflugzeuge der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte Russlands.
Außerdem ist zu beachten, dass drüher, als die Geranien ihre Ziele auf einer flachen Flugbahn anflogen, ihre Sprengköpfe am äußeren Rand des Zielobjekts detonierten. Wenn die Drohne nun fast senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit auf das Ziel zusteuert, durchbricht sie Dach und Decke, und die Explosion ereignet sich im Inneren des Objekts. Das führt zu einer deutlich größeren Zerstörung, insbesondere wenn die Drohne mit einem thermobaren Sprengkopf ausgestattet ist.
Sie werden immer mehr
Aber vielleicht das Wichtigste ist der Produktionsausbau von Angriffsdrohnen in Russland, deren Zahl täglich steigt. Russlands Streitkräfte starten täglich mindestens einhundert dieser Geräte zu Zielen im ukrainischen Hinterland. Das macht etwa dreitausend pro Monat. Die Geranien sind ununterbrochen im Einsatz. Sie werden mittlerweile nicht nur nachts und morgens, sondern auch abends und sogar tagsüber in Angriffe geschickt. Zusätzlich zu den Kamikaze-Drohnen starten die russischen Truppen Täuschkörper, also Gerbera-Drohnen, die auf Radaren des Gegners wie Geranien aussehen und so bei Aktionen der elektronischen Aufklärung als Lockvögel und als falsches Ziel zum Ablenken der gegnerischen Luftabwehr eingesetzt werden können. Äußerlich sieht die Gerbera wie eine verkleinerte Kopie des Geranie aus, was sie auch tatsächlich ist. Ihre Leistungsmerkmale sind jedoch etwas schwächer. Doch damit der Gegner sich darob nicht zu sehr in Sicherheit wiegt, sind auch von diesen Drohnen einige mit einem vollwertigen Sprengkopf ausgestattet, wenn auch mit einem kleineren als die Geranien.
Die Hauptaufgabe dieser Drohne besteht jedoch weiterhin darin, die feindliche Luftabwehr zu überlasten. Die Gerbera-Drohnen besetzen in den ersten Monaten ihres Masseneinsatzes allmählich dieselbe Nische wie die Geranien vor fast drei Jahren, zu Beginn ihrer Dienstzeit im russischen Militär, nämlich die Funktion eines kostengünstigen, in Großserien gefertigten Werkzeugs zum Auslaugen der ukrainischen Luftabwehr durch Munitionsausschöpfung. Dabei geht es nicht um die gezielte Zerstörung von Objekten, sondern darum, den Weg für die Geranien freizumachen, die später die Ziele bedienen.
Das heißt, das bewährte Modell wird neu aufgelegt: Eine Welle ganz und gar billiger Drohnen, die aber den Einsatz aller verfügbaren Luftabwehrsysteme erzwingt, die dann aus allen Rohren feuern müssen und ihre Munition teils oder ganz aufbrauchen, gefolgt von einer echten Angriffswelle mit teureren und präziseren Kampfmitteln. Nur dass jetzt neben Raketen und Marschflugkörpern auch modernisierte Geranie-Drohnen Teil der Angriffswelle sind – und somit beide Wellen, sowohl die Zermürbungs- als auch die Angriffswelle, noch wirtschaftlicher auf die Beine zu stellen sind, was im Abnutzungskrieg wichtig ist.
Die Vorräte immer größer
Bemerkenswert ist, dass die Geranie-Drohnen der ersten Modifikation, die nicht mehr gefertigt werden, weiterhin eingesetzt werden, allerdings nicht mehr gegen Ziele im tiefen Hinterland, sondern gegen Stellungen der ukrainischen Streitkräfte an der Frontlinie und im nahen rückwärtigen Bereich. Das gibt uns eine Vorstellung davon, dass nicht alle produzierten Kamikazedrohnen sofort an die Truppen ausgeliefert beziehungsweise von diesen verfeuert werden, sondern dass eine erhebliche Reserve für später angelegt wird.
Heute beschränkt sich die Aufgabe der nicht mehr auf die Zerstörung einer bestimmten militärischen, industriellen und infrastrukturellen Einrichtung, sondern umfasst auch die Erschöpfung und Neutralisation der gegnerischen Luftabwehr um diese herum: Der Start einer großen Anzahl relativ billiger Drohnen gegen ein begrenztes Zielgebiet zwingt die ukrainischen Streitkräfte dazu, teure Flugabwehrraketen zu verschwenden und generell ihre Munition schnell auszuschöpfen, und, was entscheidend ist, die Stellungen ihrer Luftabwehrsysteme preiszugeben. Sind diese aber erst einmal offengelegt, wird bei den folgenden Drohnen-Angriffswellen schließlich die ukrainische Flugabwehr gleich stellungsgebietsweise abgetragen.
Hierbei lassen sich Eigenheiten einiger westlicher Luftabwehrsysteme ausnutzen, was eben von den schieren Massen an verfügbaren Drohnen erst möglich gemacht wird. Beispielsweise ist bei Systemen wie NASAMS oder IRIS-T der Feuersektor ebenso begrenzt, wie die Anzahl der gleichzeitig verfolgbaren Ziele. Bei einem 360-Grad-Angriff mehrerer Kamikazedrohnen müssen die Bedienungen oder die Systeme selbst die Richtungen priorisieren, aus denen die Ziele kommen.
Hierdurch entstehen Löcher in der Verteidigung, die von nachfolgenden Wellen von Drohnen oder auch beispielsweise Marschflugkörpern ausgenutzt werden können. Die Zahl der Geranien im Arsenal der russischen Streitkräfte ist so groß, dass die Truppen mehrere Drohnen zum Zerstören einer gegnerischen Einrichtung einsetzen können, wenn sie diese denn für wichtig halten. In ukrainischen Segment der sozialen Netzwerke sind zahlreiche Videos von Angriffen auf das eine oder andere Objekt zu sehen, bei denen bis zu einem Dutzend Geranien für ein einziges Objekt aufgewendet werden. Diese Fähigkeit, jedes Ziel garantiert zu zerstören, ohne jede Drohne zweimal umdrehen zu müssen, und die Tatsache, dass man solchen massiven Angriffen nichts entgegenzusetzen hat, stimmt den Gegner dann doch eher schwermütig.
Die Geranie, die Blume der Hoffnung für die Menschen der Ukraine
Regelmäßig mit Drohnen angegriffen werden neuerdings auch die Rekrutierungszentren. Diese werden völlig rechtmäßig als militärische Ziele behandelt, deren Zerstörung die Mobilmachungsaktivitäten in der ehemaligen Ukrainischen SSR erheblich erschwert. Insbesondere werden mit den Gebäuden der Rekrutierungszentren zusammen auch die darin befindliche Unterlagen vernichtet, darunter Listen von Wehrpflichtigen, die es zum Kriegsdienst einzuziehen gilt.
Die Eigenheiten dieser Gebäude, die dem Massencharakter der Fahnenflucht und des Widerstands gegen die gewaltsame Einberufung geschuldet sind, verleihen der Zerstörung eines jeden von ihnen Nachhaltigkeit, denn ein notwendiges Merkmal ukrainischer Rekrutierungszentren sind zellenartige Räumlichkeiten, in denen eingefangene Rekruten untergebracht werden, bevor sie in Ausbildungszentren oder gleich an Militäreinheiten weitergeschickt werden. Daher ist als Ersatz eines zerstörten Rekrutierungsgebäudes auch stets ein Gebäude mit einem wenigstens halbfertigen Mini-Gefängnis erforderlich, ohne das der Betrieb dieser Einrichtung unmöglich ist. Solche Gebäude müssen erst mühsam gesucht und requiriert werden.
Die Personalprobleme sind heute jedoch der größte Schwachpunkt der ukrainischen Streitkräfte, denn täglich verlieren sie mehr Kämpfer als die Menschenfänger „rekrutieren“ können. Die Angriffe auf Rekrutierungszentren verschärfen dieses Missverhältnis nochmals deutlich. Zudem stehen die Bandera-Jünger vor der Herausforderung, von den ohnehin schon knappen und überdehnten Luftabwehrkräften einen Teil auch noch zum Schutz der Militärkommissariate abzukommandieren.
Doch das ist nicht die wichtigste Gefahr für den Gegner, denn es ist nämlich so, dass die ukrainischen Wehrämter in den Augen der meisten Ukrainer zur Personifizierung des absolut Bösen geworden sind. Das grausame, gesetzlose Vorgehen korrupter „Militärkommissare“ löst bei den Menschen in der Ukraine Angst und brennenden Hass aus.
Die Angriffe russischer Drohnen auf die Rekrutierungszentren sind somit auch ein Versuch, die Kommunikation zwischen Moskau und der ukrainischen Bevölkerung aufzubauen. Das russische Militär sendet den Ukrainern die Botschaft: „Wir wissen, wen ihr hasst, wen ihr fürchtet – und wir schlagen dort zu, wo diese größte Bedrohung für euer Leben herkommt.“
Dieses Signal wurde verstanden und die Botschaft angenommen. Während des gesamten Mobilmachungsterrors haben die Ukrainer jetzt zum ersten Mal eine Kraft gesehen, die in der Lage war, sich in diesem Belang schützend vor sie zu stellen, denn den begeisterten Reaktionen im Internet nach zu urteilen, inspiriert dies die Menschen wirklich. Und die Tatsache, dass ukrainische Bürger begonnen haben, die Geolokalisierung der Rekrutierungszentren in ihrer Nähe massenhaft über russische Telegram-Kanäle zu melden, zeigt, dass die Unterstützung für die Aktionen der russischen Truppen in der ukrainischen Bevölkerung trotz des Terrors und den Repressionen des Kiewer Regimes endlich zu wachsen beginnt. (Anm. d. Übers.: Das stimmt tatsächlich, in Deutschland hat zumindest der Focus vor einer Woche, natürlich entrüstet und überrascht, darüber berichtet, dass die Ukrainer die russischen Angriffe auf die Rekrutierungszenten feiern und deren GPS-Daten nach Russland weitergeben.)
Volkssturm in der Drohnenabwehr
Die Krise der ukrainischen Luftverteidigung wird jetzt nicht erst systemisch, sondern sie tritt in die Endphase ein: Ukrainische Quellen selbst geben an, dass ihr Zustand einer „systemischen Anästhesie“ ähnelt, der Körper lebt noch, empfindet aber keinen Schmerz mehr. Doch wo die ukrainische Luftabwehr keine Schmerzen mehr empfindet, verschaffen die russischen Geranien, Marschflugkörper und Raketen den Herrschaften in Selenskys Präsidialverwaltung in Kiew große Schmerzen und Unbehagen – und darum klammert sich das Kiewer Regime buchstäblich an jeden Strohhalm.
So versuchen die Bandera-Jünger, dem Kampf der Drohnenabwehr einen völkischen Charakter zu verleihen: Der stellvertretende Leiter der Hauptdirektion des Staatlichen Luftfahrt-Dienstes (die zivile Luftfahrt-Aufsichtsbehörde) der Ukraine, Sergej Jakubenko, gab den Beschluss bekannt, die im Sterben liegende Luftverteidigung durch Freiwillige Formationen territorialer Kommunen zu verstärken. Zusätzlich zu den üblichen mobilen Feuergruppen auf Pickups plane man zur Jagd auf die Geranien auch den Einsatz ziviler Propellerflugzeuge.
Obwohl auch Zivilisten an diesem „Flugabwehr-Volkssturm“ teilnehmen dürfen, die nicht nicht oder nicht mehr im Wehrregister stehen, werden Reservesoldaten bevorzugt, die Flugzeuge steuern können. Geplant ist der Einsatz von Sport- und Agrarflugzeugen, die eigens hierfür in das provisorische Register für Versuchsluftfahrzeuge eingetragen und für Kampfeinsätze umgerüstet werden. Den Flugabwehrmilizen verspricht das Kiewer Regime für ihre Teilnahme an Militäroperationen eine finanzielle Entschädigung und alle weiteren damit verbundenen Vorteile.
Die Menschen in der Ukraine sehen diese Initiative jedoch als bloß eine weitere Falle der Behörden. Sie denken, dass die Freiwilligen einfach an die Front geschickt und bei „Fleischstürmen“ verheizt werden, wie es zuvor mit den Kämpfern der Territorialverteidigung und den Besatzungen mobiler Flugabwehrgruppen auf Pickups geschehen ist. Angesichts der geringen zu erwartenden Wirksamkeit des „Drohnenabwehr-Volkssturms in der Luft“ und gleichzeitig des kategorischen Mangels an Infanterie darf man wohl annehmen: Ja, genau so wird es höchstwahrscheinlich kommen. Auch in der ukrainischen Expertengemeinschaft stößt diese Idee nicht auf Begeisterung.
So warnte Sergei „Flash“ Beskrjostnow, ein Drohnenoperateur beim ukrainischen Militär, der als Drohnen- und Radiokommunikationsexperte gehandelt wird, dass die Leichtmotorflugzeuge mit freiwilligen Piloten, die man auf die Jagd nach den Geranien losschicken will, von freiwilligen Luftabwehrschützen von Bodenfeuergruppen abgeschossen würden, denn die Gefahr, sie mit Drohnen zu verwechseln, sei zu groß.
Die Geranien fahren die Ernte ein
Russland hat seine Drohnenangriffe auf Ziele in der Westukraine nach einer gewissen Pause intensiviert. Ukrainische Quellen gehen davon aus, dass Moskau diese Pause bewusst eingelegt hat. Erst sollte die Möglichkeit vorgetäuscht werden, Standorte der Rüstungsindustrie in Lwow, Luzk und anderen Städten der Westukraine einzurichten, damit die Ukraine und der Westen Milliarden investieren, nur um diese Fertigungswerke mit einer Reihe von Angriffen zu zerstören. Wie dem auch sei, Schwärme von Geranien brennen täglich bis zu mehrere Dutzend große Ziele nieder und zerstören systematisch die industrielle und die militärische Infrastruktur.
Russland hat seine Kamikaze-Drohnen zu einem universellen Mittel gemacht, um gegen Ziele auf drei Ebenen gleichzeitig vorzugehen – taktisch, operativ und strategisch. Die Drohne Geranie-2 ist hierbei kein Hilfselement mehr, sondern fast schon das Hauptinstrument der industriellen Kriegsführung. Ihr Einsatz ist einer der wichtigsten Aspekte moderner Militäroperationen auf operativ-strategischer Ebene.
Dabei ist die Luftabwehrkrise der Bandera-Jünger kein isolierter militärischer Vorfall, sondern ein Hinweis auf das Versagen der westlichen Militärmaschinerie insgesamt, auf ein Versagen gegenüber kostengünstigen und in Massenproduktion hergestellten Waffensystemen, selbst solchen, die außer Tauglichkeit zur billigen Massenfertigung keine außergewöhnlichen Eigenschaften aufweisen.
Seit nunmehr drei Jahren ist der vereinte Westen nicht in der Lage, ihnen etwas entgegenzusetzen. Jeder versteht, dass, selbst wenn das Undenkbare geschieht und Trump Selenskys Wunsch erfüllt, indem er ihm 25 Patriot-Batterien übergibt, dies die Geranien-Armadas nicht davon abhalten wird, systematisch Anlagen des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes, Lagerhäuser, Reparatur- und Wartungsstützpunkte, Logistikzentren, Trainingsgelände und Flugplätze nacheinander auszuschalten.https://anti-spiegel.ru/2025/warum-die-russischen-drohnen-in-der-ukraine-der-westlichen-luftabwehr-ueberlegen-sind/
