WIRTSCHAFT

Der BRICS-Gipfel und wie deutsche Medien darüber berichten

2025-07-10 spiegel.ru s. 142
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Ich finde es jedes Mal interessant zu beobachten, wie deutsche Medien über die BRICS berichten. Während deutsche Medien aus G7-Gipfeln ein großes Medienereignis machen, reden sie BRICS-Gipfel klein. Und das hat einen guten Grund, denn die BRICS sind in der Weltwirtschaft und der internationalen Politik längst wichtiger geworden als die G7. Die BRICS haben ein größeres BIP als die G7, vertreten mehr Menschen und haben vor allem den Großteil vieler wichtiger Bodenschätze in ihren Ländern.

Deutsche Medien sehen ihre Aufgabe darin, den Deutschen das Gefühl zu geben, der Westen sei noch immer der Nabel der Welt, dabei sind diese Zeiten vorbei, wie auch westliche Politiker und Experten immer öfter zugeben. Aber den deutschen Medien ist es wichtiger, bei den Deutschen die Illusion zu erhalten, der Westen beherrsche immer noch die internationale Politik, als die Menschen in Deutschland ehrlich zu informieren.

So war es auch dieses Mal wieder vor dem BRICS-Gipfel. Da hat der Spiegel allen Ernstes einen Artikel mit der Überschrift „Brics-Gipfel in Rio de Janeiro – Jeder kämpft nur noch für sich“ veröffentlicht, in dem der Spiegel-Schreiberling die BRICS schon totsagte und der mit folgender Einleitung begann:

„Zum Brics-Treffen von Russland, China, Indien und Co. hagelt es Absagen, angeblich »Terminprobleme«. Der Traum von Brasiliens Präsident Lula platzt: Internationale Organisationen verlieren auch im Globalen Süden an Bedeutung.“

Wie wir gleich noch sehen werden, war das reines Wunschdenken und das exakte Gegenteil der Wahrheit.

Das konnte man danach zumindest zwischen den Zeilen auch im Spiegel noch erfahren, als der gleiche Schreiberling nach dem BRICS-Gipfel einen Artikel mit der Überschrift „Brics-Gipfel in Rio de Janeiro – Am Ende geht es doch wieder um Trump“ veröffentlichte, in dem der Spiegel zumindest über einige Punkte der BRICS-Abschlusserklärung berichtete, wobei man auch in dem Spiegel-Artikel feststellen konnte, dass bei den BRICS keinesfalls „jeder nur noch für sich kämpft“, wie der gleiche Autor kurz zuvor behauptet hatte.

In diesem zweiten Artikel berichtet der Spiegel-Schreiberling über einige Punkte der BRICS-Abschlusserklärung und wir erfahren dabei unter anderem:

„Wladimir Putin, der sich per Video aus Moskau zuschalten ließ, kann zufrieden sein. Den Russen gelang es, unter Punkt 35 die Aufnahme einer »nachdrücklichen Verurteilung« der »Angriffe am 31. Mai sowie 1. und 5. Juni 2025 gegen Brücken und die Infrastruktur der Eisenbahn« in »den Regionen von Brjansk, Kursk und Woronesch der Russischen Föderation« in das Dokument durchzusetzen. Die Ukraine wird zwar nicht namentlich als Urheber der Angriffe erwähnt. Aber es ist klar, wer gemeint ist.“

Ob dem Spiegel-Heini wirklich klar ist, wer gemeint ist? Natürlich war die ausführende Hand der gezielten Terrorangriffe auf russische Zivilisten die Ukraine, aber in Russland wird sehr offen gesagt, dass offenbar britische Geheimdienste hinter diesen Terrorangriffen auf die russische Zivilbevölkerung stecken. Und die BRICS-Sherpas, die solche Abschlusserklärungen aushandeln, die wissen das natürlich. Ob der Spiegel-Schreiberling das nicht weiß, oder ob es den Spiegel-Lesern nicht mitteilen will, bleibt sein Geheimnis.

Weiter heißt es in dem Artikel:

„Während Moskau also Drohnen auf Kyjiw regnen ließ, beteuerten die Brics-Staaten im schönen, friedlichen Rio ihren Friedenswillen. Dass das Gründungsmitglied Russland ein Nachbarland überfallen und teilweise besetzt hat, wurde einfach ignoriert. Lula bedauerte den Ukrainekrieg zwar, aber den Aggressor benannte er nicht.“

Auch hier verschweigt der Spiegel-Heini seinen Lesern das Entscheidende: Bei den BRICS – und generell im globalen Süden – hat man eine ganz andere Sichtweise auf den Ukraine-Krieg, dort sieht man die Schuld (oder zumindest die sehr große Mitschuld) für den Krieg bei der NATO und ihren Versuchen, die Ukraine aufzunehmen, um ihre (Atom-)Raketen an der ukrainischen Grenze zu Zentralrussland aufstellen zu können.

Aber auch das müssen Spiegel-Leser ja nicht wissen, schließlich vermitteln deutsche Medien ihnen ständig die Illusion, die Welt sei sich in der Ukraine-Frage einig und Russland sei international isoliert. Daher ist der Spiegel-Artikel über den BRICS-Gipfel auch entsprechend emotional formuliert, wie das letzte Zitat beispielhaft gezeigt hat.

Als Kontrastprogramm zu dem, was deutsche Medien als Berichterstattung bezeichnen, übersetze ich hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse des BRICS-Gipfels, die die russische Nachrichtenagentur TASS veröffentlicht hat.

Beginn der Übersetzung:

Spiegel der neuen geopolitischen Realitäten: Was der BRICS-Gipfel in Rio gezeigt hat

Igor Warlamow über die erreichte Multipolarität, die Ziele des Vereinigung und Trumps Einflussmöglichkeiten

Die umfangreiche Abschlusserklärung des 17. BRICS-Gipfels, sie umfasst 126 Punkte auf 45 Seiten, schafft laut dem russischen Präsidenten Wladimir Putin „eine Grundlage für die gemeinsame Arbeit“. Genau das haben die Länder der globalen Mehrheit von dem zweitägigen Treffen an der Guanabara-Bucht erwartet, das am 7. Juli zu Ende ging.

Allerdings gibt es hier noch einiges anderes.

Eine Wirklichkeit gewordene Realität

Die Ergebnisse der Treffen und Diskussionen sowie der Inhalt der verabschiedeten Dokumente bestätigen, dass die BRICS-Teilnehmer gerade unter den Bedingungen der faktischen Multipolarität nach Lösungen für die Probleme und Antworten auf die Herausforderungen suchen, vor denen die Mehrheit der Weltbevölkerung steht. Das heißt, jene Länder und Völker, für die die berüchtigte „Goldene Milliarde“ an ihrem „paradiesischen Garten“ ein Schild mit der Aufschrift „Zutritt verboten“ aufgehängt hat.

Es ist unmöglich, alle Themen des Gipfels, die Details der Diskussionen auf Sherpa-Ebene und die Nuancen der Positionen der Länder in einem Kommentar abzudecken. Und das ist auch nicht nötig. Von grundlegender Bedeutung erscheint folgende Tatsache: Die Dynamik der BRICS (2006 auf russische Initiative gegründet) und die selbstbewusste Stimme des Verbundes heute, all das bestätigt, dass unsere Welt eine andere geworden ist. Eine völlig andere!

In dieser Welt gewinnt, wie Wladimir Putin in seiner Videoansprache auf dem Gipfel betonte, der Prozess der Veränderung der globalen Wirtschaftsordnung weiter an Dynamik. Die BRICS-Staaten zeigen eine stetig zunehmende Zusammenarbeit und übertreffen die G7 beim gemeinsamen BIP bereits um ein Viertel. „Das unipolare System der internationalen Beziehungen, das den Interessen der sogenannten ‚Goldenen Milliarde‘ diente, gehört der Vergangenheit an“, meint der russische Präsident. „Und es wird durch eine gerechtere multipolare Welt ersetzt.“

Die Welt nicht nur multipolar, sondern auch gerecht machen

Das Wort „gerecht“ ist das Schlüsselwort in der obigen Aussage des russischen Präsidenten. Es sind die Ideen von Gerechtigkeit und Inklusivität, die die BRICS-Staaten konsequent verteidigen. Beispielsweise hinsichtlich ihrer Vertretung in systemrelevanten internationalen Organisationen oder hinsichtlich der Funktionsweise und Kontrolle der wichtigsten globalen Handels- und Finanzströme, einschließlich der Wertschöpfungsketten. Das zeigt sich auch daran, wie der Zugang zu medizinischen Errungenschaften und modernen Technologien (insbesondere digitaler und künstlicher Intelligenz) organisiert ist; wie Klima- und Umweltprobleme, die die gesamte Menschheit betreffen, gelöst werden. Und schließlich geht es auch darum, welche moralischen Leitlinien und Werte jungen Menschen vermittelt werden.

Ein besonderes Thema der Rio-Erklärung ist die (aufs Schärfste verurteilte) Praxis der „Bestrafung“ Unerwünschter und Widerspenstiger in Form von Sanktionen, mit denen die westlichen Länder wie mit Erbsen um sich werfen. Wer mit dieser Politik nicht einverstanden und nicht bereit ist, stramm zu stehen, wird ebenfalls mit Sanktionen belegt. Mit sekundären Sanktionen.

Wofür? Für nichts! Einfach nur für die Unterstützung der BRICS-Staaten. Genau so hat US-Präsident Donald Trump zehnprozentige Zölle für jeden angekündigt, „der die anti-amerikanische Politik der BRICS-Staaten unterstützt“.

Ich erinnere mich, dass er den BRICS-Staaten vor sechs Monaten mit hundertprozentigen Zöllen gedroht hat, sollten sie es wagen, eine neue Währung als Ersatz für den „mächtigen US-Dollar“ einzuführen. Wie man so schön sagt: Angst hat große Augen. Schließlich wurde über die Einführung einer eigenen Währung in den BRICS-Staaten nie konkret gesprochen. Das bestätigte der russische Außenminister Sergej Lawrow auf einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro erneut.

Übrigens, da die BRICS (die zehn Mitglieds- und zehn Partnerländer umfassen) auf die eine oder andere Weise von einer beträchtlichen Anzahl von Staaten unterstützt wird, die sowohl flächenmäßig als auch bevölkerungsmäßig den Großteil der Erde ausmachen, ist es noch lange nicht sicher, dass Trump nach dem Motto „ein Mann, ein Wort“ handeln wird. Wie man in Lateinamerika sagt: „Der Schuss könnte durch den Hintern gehen.“

Und das ist auch ein Ausdruck der neuen Realitäten, auf die Wladimir Putin in seiner Rede auf dem Forum aufmerksam gemacht hat. „Die BRICS haben sich zu Recht in den Zentren der globalen Governance etabliert und die starke Stimme zur Unterstützung unserer Staaten, zur Unterstützung der grundlegenden Interessen der Mehrheit der Menschen, wird auf der internationalen Bühne zunehmend gehört“, bemerkte der Präsident. „Die BRICS haben viele gleichgesinnte Länder im globalen Süden und Osten. Sie sind beeindruckt von der Kultur der offenen Partnerschaft und Zusammenarbeit, des gegenseitigen Respekts und der Berücksichtigung der Meinungen des anderen, die sich im Verbund entwickelt hat“, sagte der russische Präsident.

Regionale und globale Sicherheitsfragen im Fokus

Wie auf dem Gipfel wiederholt betont wurde, ist die Welt, die sich in Richtung Multipolarität gewandelt hat, leider weder stabiler noch sicherer geworden. Es wird zunehmend schwieriger, darin für alle Seiten akzeptable Kompromisse zu finden. Gewalt, und zwar militärische, ist in den internationalen Beziehungen wieder zu einem angewandten Argument geworden. Zudem ist das historische Gedächtnis des Westens, der sich aus irgendeinem Grund als „Gewinner des Kalten Krieges“ sah, durch Jahrzehnte des wohlgenährten Lebens eben dieser goldenen Milliarde erodiert.

Unter diesen Bedingungen sind die BRICS-Staaten natürlich gezwungen, sich zunehmend stärker in gemeinsamen Fragen der regionalen und globalen Sicherheit und der Terrorismusbekämpfung zu engagieren. In diesem Zusammenhang war die Rede des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, der das Forum leitete, bemerkenswert. „Die Welt ist mit einer seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beispiellosen Anzahl bewaffneter Konflikte konfrontiert, und die jüngste Entscheidung der NATO [die Militärausgaben auf 5 Prozent des BIP zu erhöhen] trägt zum Wettrüsten bei“, betonte der Brasilianer. Er verbarg seinen Ärger kaum, als er erklärte, es sei für die NATO-Mitglieder einfacher, 5 Prozent des BIP für Rüstungsausgaben bereitzustellen, als die früher versprochenen 0,7 Prozent des BIP für Entwicklungshilfe zu überweisen.

Dass Stabilität und Sicherheit für alle auf der BRICS-Agenda immer wichtiger werden, belegt der Inhalt der Rio-Erklärung überzeugend. Darin erklärten die Staats- und Regierungschefs der BRICS unter anderem, sie

  • verurteilten die Terroranschläge auf Brücken und Eisenbahninfrastruktur in den Regionen Brjansk, Kursk und Woronesch;
  • äußerten ihre Hoffnung auf eine Beilegung des Ukraine-Konflikts;
  • verurteilten die Angriffe auf den Iran und seine Atomanlagen;
  • äußerten ihre Besorgnis über die wachsenden Risiken eines atomaren Konflikts;
  • forderten weitere Verhandlungen über einen Waffenstillstand im Gazastreifen;
  • äußerten die Meinung, dass Gaza und das Westjordanland ein einziger Staat werden sollten;
  • forderten eine friedliche Beilegung des Konflikts im Sudan;
  • sprachen sich für die territoriale Integrität Syriens aus und begrüßten die Aufhebung der Sanktionen;
  • erkannten die Notwendigkeit an, Weltraumtechnologien für friedliche Zwecke zu nutzen, sprachen sich gegen das Wettrüsten im Weltraum aus und schlugen die Verabschiedung eines entsprechenden Dokuments vor;
  • bekräftigten ihr Engagement für die Bekämpfung jeglicher Form des Terrorismus.

BRICS: Stärke durch Vielfalt, Inklusivität und Konsens

Die weltweit verbreitete Nachricht, dass sich die BRICS-Sherpas auf den endgültigen Text der Erklärung einigen konnten, wurde von Experten einstimmig als unbestrittener Erfolg der brasilianischen Präsidentschaft gewertet. Erklärungen werden, wie alle anderen Beschlüsse der BRICS, nur angenommen, wenn nach der Diskussion alle Einwände ausgeräumt sind. Bemerkenswert ist, dass es gerade die Entscheidungsmechanismen im Verbund waren, die unter Experten zu heftigen Meinungsverschiedenheiten führten.

Wie die Ergebnisse des brasilianischen Gipfels zeigten, verschließen sich die BRICS dem Problem nicht und wollen nach Lösungsansätzen suchen. Die Rio-Erklärung stellt ausdrücklich fest, dass die Erweiterung des Verbunds und seiner Agenda Anpassungen der Arbeitsmethoden des Bündnisses erfordern. „Wir unterstützen die Verbesserung der Praktiken, um sicherzustellen, dass der Verbund effektiv, effizient, reaktionsfähig, inklusiv und konsensbasiert bleibt“, heißt es in dem Dokument. Es betonte auch die Bedeutung des Beitrags der Partnerländer zur BRICS-Kooperation gemäß den Modalitäten der BRICS-Partnerländerkategorie, die auf dem BRICS-Gipfel in Kasan beschlossen wurden.

Reflexion und Überraschungen

Übrigens erteilte Sergej Lawrow den eingefleischten Skeptikern unter westlichen Journalisten und Experten, die in Rio de Janeiro kritische Artikel über BRICS verfassen, in seinem charakteristischen ironischen Stil eine scharfe Rüge. Er betonte, dass die westliche Presse Zeit damit verschwende, darüber nachzudenken.

„Sie reflexieren wahrscheinlich, denn jeder hat das Beispiel der NATO-Erweiterung vor Augen“, sagte der russische Außenminister und bemerkte, dass es im Nordatlantischen Bündnis „eine leichte Meuterei auf dem Schiff“ gebe. „Die BRICS waren einem solchen Risiko noch nie ausgesetzt, und ich sehe keine Gefahr, dass unsere Aktivitäten beeinträchtigt werden“, sagte der.

Er betonte außerdem, dass „die BRICS sich bei all ihren Schritten stets auf die Prinzipien der Gleichheit, des gegenseitigen Respekts und des Konsenses, und zwar eines Konsenses, der den Interessenausgleich wirklich widerspiegelt und nicht vom „großen Bruder“ diktiert wird“, gestützt hat. „Ich kann derartigen Versuchen, die BRICS künstlich als eine Organisation darzustellen, die ihren Zweck erschöpft hat, nicht zustimmen. Im Gegenteil, ihr Potenzial beginnt sich gerade erst zu entfalten“, betonte Lawrow.

Dass sich das Potenzial entfaltet, wurde durch die kreative Initiative Indiens bestätigt (das Land wird 2026 die BRICS-Präsidentschaft übernehmen). Während der Plenarsitzung schlug Premierminister Narendra Modi eine Neuinterpretation des BRICS-Akronyms vor, das nicht mehr alle Mitglieder des Bündnisses (BRICS steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) namentlich einschließt. „Im Rahmen der indischen BRICS-Präsidentschaft werden wir an einer Neudefinition von BRICS arbeiten. BRICS bedeutet den Aufbau von Resilienz und Innovation für Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit (Building Resilience and Innovation for Cooperation and Sustainability)“, sagte Modi.

Wer also eine Überraschung vom Gipfel erwartet hatte, wurde fündig.

Eine gute Überraschung! Andere brauchen wir nicht.

http://anti-spiegel.ru/2025/der-brics-gipfel-und-wie-deutsche-medien-darueber-berichten/

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